Bewusstsein schulen
Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 03. Dezember 2010 um 14:24 Uhr Geschrieben von: Peter Denker Mittwoch, den 27. Februar 2008 um 23:00 Uhr
Erweiterte Wahrnehmung als Bewusstseinskompetenz
[1] Antoine de Saint-Exupery lässt in seiner liebenswerten Erzählung
"Der kleine Prinz" den wirklich schlauen Fuchs weisheitsvoll erkennen:
"Man sieht nur mit dem Herzen gut.
Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar."
Er könnte damit gemeint haben: "Man sieht nur
mit liebevoll wachem Bewusstsein gut". Was das menschliche Bewusstsein kann, darüber können Sie hier etwas erfahren.
Bewusstsein als menschliche Meta-Fähigkeit
Bewusstsein ist eine spezifische Fähigkeit des Menschen, die ihn von den übrigen Lebewesen unterscheidet.
Sie reiht sich ein in die Fähigkeiten der sinnlichen Wahrnehmung, des Denkens, Fühlens und Wollens und übersteigt sie.
Denn mit dem Bewusstsein ist es möglich, diese Fähigkeiten zum Gegenstand der gedanklichen und empfindungsmäßigen Betrachtung,
d.h. sie sich "bewusst" zu machen.
Vom Denken, das auch das Nachdenken über sich selbst zum Inhalt haben kann,
unterscheidet sich das Bewusstsein, indem es z.B. nicht den Regeln der Logik unterworfen werden kann.
Es ist sowohl Mittel als auch Gegenstand von solchen Wahrnehmungen, die über die sinnlichen Wahrnehmungen
hinaus gehen. Es ist intuitiv und ganzheitlich, kann widersprüchlich sein und
Täuschungen unterliegen. Es hat unterschiedliche Grade von Aktivität und Intensität.
So kann es zeitweilig oder ganz verloren gehen, zum Beispiel im Zustand der Bewusstlosigkeit. Und andererseits kann es
in Hellsichtigkeit einmünden.
Sinnliches Wahrnehmen
Mittels der "fünf Sinne" gewinnen wir alle sinnlichen Wahrnehmungen:
- Hören (z.B. ins Schloss fallende Tür)
- Sehen (z.B. fahler Mondlichtschein)
- Riechen (z.B. abgestandener Tabakrauch)
- Schmecken (z.B. frisch gebackenes Brötchen)
- Tasten (z.B. weiches Katzenfell)
Es werden sinnlich unmittelbar wahrnehmbare Objekte benannt, die hier und jetzt keineswegs real gegenwärtig sind. Dennoch hat jeder Leser klare Vorstellungen von diesen Objekten, womöglich begleitet von Assoziationen oder Erinnerungen an bestimmte, von ihm erlebte Situationen. Bei genügender Intensität können sich dabei sogar Empfindungen (z.B. unangenehm laut, gespenstisch-bedrohlich, übel riechend, genussvoll bzw. wohltuend) einstellen, die jetzt nicht erlebt, sondern im Bewusstsein vorgestellt werden. Auf der Meta-Ebene angeschaut, erhält man damit zugleich einen Schlüssel zum Verständnis der folgenden Aufzählung. Sie gibt Beispiele für 'erweitertes Wahrnehmen'.
Erweitertes Wahrnehmen
Das mit diesem Begriff Gemeinte verdeutlichen folgende Aktivitäten des Bewusstseins:
- Empfinden (z.B. eine Stimmung / ein Gefühl)
- Erinnern (z.B. eine Begebenheit)
- Vorstellen (z.B. eine Möglichkeit)
- Ersinnen (z.B. ein Projekt)
Um sowohl sinnliche als auch "erweiterte" Wahrnehmungen zusammenfassend zu beschreiben, kann man also definieren:
Die Fähigkeit zum erweiterten Wahrnehmen ist rudimentär in jedem Menschen veranlagt, bedarf aber der Kultivierung durch Übung. Als Übungsbeispiele können das [2] Lesen und Vorlesen oder das [3] Balance Suchen gelten.
Folgen mangelnder Wahrnehmungsfähigkeit
Die meisten Übel, unter denen unsere Gesellschaft leidet, lassen sich als Folgen unzureichender "Kultivierung des Gemüts" begreifen. In Egozentrik und Konsumverhalten beispielsweise zeigt sich, dass die vom individuellen Tun und Lassen betroffenen Kreaturen und Ressourcen nicht bewusst wahrgenommen und wertgeschätzt werden. Das individuelle und gesellschaftliche Wohlbefinden kann in dem Maße zunehmen, in dem das erweiterte Wahrnehmen individuell und gemeinschaftlich geübt wird. Dazu sind betimmungsgemäß die Schulen prädestiniert.
Schulen als Orte der Bewusstseinsbildung
Den Schulen werden ihrem Erziehungsauftrag am besten gerecht, wenn sie die Erziehung als "bewusstseinsbildenden Prozess" anschauen und gestalten. Dabei hätten "bewusstseinsbildende Maßnahmen" z.B. Strafen zu ersetzen.
Als Beispiel dafür sei die "erweiterte Wiedergutmachung" genannt. Das ist - wie der Name sagt - eine aufgegebene Wiedergutmachung, die nicht nur angerichtete Folgen von Versagen oder Fehlverhalten ausgleicht, sondern darüber hinaus geht, um das Bewusstsein für dessen Intolerabilität zu stärken. Wer z.B. ein Pult beschmutzt, soll viele Pulte säubern, im Wiederholungsfall furchtbar viele.
Und zu den wichtigsten Wahrnehmungsübungen gehört der Wechsel der Perspektive; z.B. mit Fragen nach den
Empfindungen des Gegenübers oder danach, was derjenige Wichtiges für sich getan hat, dessen Verhalten uns inakzeptabel erscheint.
Eine weitergehende Übung zur Kommunikation über Unterschiedliche Sichtweisen ist der [4]
"Mitbetrachtung" genannte Austausch über gemeinsam betrachtete Bilder.
Nutzen von Wahrnehmungsübungen
Von Wahrnehmungsübungen zur Schulung des Bewusstseins darf man sich nach meiner Überzeugung und Erfahrung Verbesserungen der individuellen und sozialen Befindlichkeit erhoffen:
- Kultivierung des Gemüts,
- mehr innere (Er-)Lebensqualität,
- Immunisierung gegen Zeitkrankheiten.
LINKS:
[1] extern Antoine de Saint-Exupery:
www.zitate-online.de/autor/saint-exupery-antoine-de/ -
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[2] Essay Lesen und Vorlesen:
www.publicationes.de/bildung/kompetenzentwicklung/108-text-erleben.html -
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[3] Essay Balance suchen: www.publicationes.de/bildung/kompetenzentwicklung/54-balance-suchen.html -
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[4] Essay Sich über Bilder austauschen: www.publicationes.de/bildung/kompetenzentwicklung/131-mitbetrachtung.html -
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