Eine Frucht als "vorgedrechselte" Schale
Die mit der Paranuss verwandte Paradiesnuss, botanisch Lecythis ollaria - auch Sapucaia oder Monkey-pot genannt - stammt von einem Baum, der zu den Deckeltopfbäumen oder Affentopfbäumen gehört. Der Baum kommt in den Regenwäldern Südamerikas und Venezuelas vor. Er kann bis zu 30 m hoch werden. Sein Stamm hat einen Durchmesser von bis zu einem Meter und besitzt eine dichte Krone. Die Blätter sind rosafarben, wenn sie jung sind, später grün. In den Monaten September und Oktober trägt er üppige Blüten von rötlicher bis violetter Färbung. Die Frucht von Lecythis ollaria (Abb. 1) ist eine topfartig geformte verholzte Kapsel (Deckelkapsel).
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| Abb. 1 |
| Frucht von Lecythis ollaria |
Diese Kapsel öffnet sich nach der Reife explosionsartig mit dem Deckel, der sich am Kopf der Frucht befindet. Dabei können die Kerne - die Paradiesnüsse in der eigenen Samenschale - einzeln herausfallen.
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| Abb. 2 |
| Paradiesnüsse in und neben Lecythis ollaria Früchten |
Die Kapseln heißen in Südamerika auch "Affenfallen". Dem entspricht auch die englische Bezeichnung "Monkey-pot". Dieser Name geht auf die Legende zurück, dass Affen, die in solche mit Zucker gefüllten Kapseln hineingreifen, ihre geschlossene Faust, mit der sie die Beute festhalten, angeblich nicht mehr herausziehen können und so gefangen werden. Tatsächlich finden die Kapseln in den Herkunftsländern als Vasen und Gefäße Verwendung.
Hierzulande werden bei der Schalenherstellung Schalenrohlinge häufig vorgedrechselt, um sie so besser trocknen zu können. Bei Sapucaia hat die Natur das Vordrechseln selbst erledigt und liefert mit der reifen und trockenen Fruchtkapsel dem Drechsler einen schon bearbeitungsfähigen Rohling.
Das Holz der Kapseln ist sehr hart, insbesondere die verholzten Innenwände der Samenfächer splittern heftig und es ist nicht einfach, sie zu bearbeiten. Beim Drechseln entstehen keine Späne. Beim Schneiden entsteht eine Art Holzgrieß. Im Holzhandel wird hierzulande Sapucaia in großen und kleinen Exemplaren angeboten. Unter dem Namen "Terraris" finden die Kapseln auch in der Terraristik als Höhlen für Reptilien Verwendung.
Schalen aus Lecythis ollaria
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| Abb. 3 |
| Aufspannung einer Schale mit Fuß |
Als Schale mit Fuß kann man die große Sapucaia im Vierbackenfutter aufspannen (Abb. 3), um die Außenseite der Kapsel zu bearbeiten.
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| Abb. 4 |
| Aufspannung einer Schale ohne Fuß |
Als Schale ohne Fuß wird die große Sapucaia in einem Rezess aufgespannt (Abb. 4). Da der Rezess sehr schmal ist und bei der Bearbeitung ausreißen könnte, wird die aufgespannte Kapsel mit einem eingesetzten Stück Rundholz stabilisiert, das durch die mitlaufende Körnerspitze der Pinole an den Kapselboden gepresst wird. Die Außenseite der Kapsel kann so ohne Schwierigkeiten bearbeitet werden.
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| Abb. 5 a | Abb. 5 b |
| Bearbeitete Sapucaia | |
Die Abbildungen 5 a und b zeigen je eine große Sapucaia in der unteren Hälfte naturbelassen, und im oberen Teil geglättet. In Abb. 5 a sind beide Hälften mit Danish Oil oberflächenbehandelt, in Abb. 6b ist es nur die obere Hälfte.
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| Abb. 6 a | Abb. 6 b |
| Schalen aus großer Sapucaia | |
Die Abbildungen 6 a und b zeigen Schalen aus großer Sapucuia einmal mit gedrechseltem Rand (Abb. 6 a) und einmal mit naturbelassenem Rand (Abb. 6 b). Dieses Beispiel verdeutlicht, dass die Beibehaltung und Hervorhebung natürlicher Formelemente dem Drechselprodukt Besonderheit verleiht.
Deckel aus andersfarbigem Holz, wie bei den unten abgebildeten kleinen Dosen, stellen eine weitere reizvolle Möglichkeit zur Verarbeitung von Lecythis ollaria dar.
Dosen aus Lecythis ollaria
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| Abb. 7 a | Abb. 7 b |
| Zwei kleine Sapucaia, unbearbeitet | |
Die natürliche Gestalt der Sapucaia legt es nahe, daraus Gefäße zu drechseln, beispielsweise Dosen mit einem Deckel aus anderem Holz.
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| Abb. 8 |
| Sapucaia-Dose mit Walnuss-Deckel |
Die Form des Deckels der in Abb. 8 dargestellten Dose orientiert sich an der des natürlichen Deckels der Frucht (Abb. 1).
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| Abb. 9 a | Abb. 9 b |
| Dose aus kleiner Sapucaia | |
Die in Abb. 9 a und b dargestellte Dose hat einen Deckel und Fuß aus Ebenholz. Ihre Höhe beträgt offen 65 bzw. 70 mm mit Deckel. Der Blick in das Doseninnere (Abb. 9 b) lässt erkennen, dass die Grundsubstanz der Wand kleinfaserig und etwas körnig strukturiert ist.
Dieses Beispiel zeigt, dass neben dem Prinzip der Erhaltung der natürlichen Form wie in Abb. 9 auch die Prinzipien der kontrastierenden Farbe und der abstrahierenden Form zu ansprechenden Ergebnissen drechslerischen Schaffens führen können.
Nach dem Ausdrehen zeigen sich bei Sapucaia sternförmige Wandstrukturen und andersfarbige Muster mit unruhiger Struktur an den Kapselwänden. Die folgenden Abbildungen (Abb. 10 a bis d) zeigen Beispiele dafür:
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| Abb. 10 a | Abb. 10 b |
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| Abb. 10 c | Abb. 10 d |
| Unterschiedliche Strukturen an Innenwänden ausgedrechselter Sapucaia | |
Schluss
Im Vergleich zu den wunderschönen Holzmaserungen und Färbungen vieler exotischer Hölzer nimmt sich Sapucaia eher bescheiden aus. Aber gerade in der sanften Zurückhaltung der Holzstrukturen liegt ebenso wie in ihrer gewachsenen Form ihr außergewöhnlicher Reiz. Dieser Reiz kommt besonders bei Dosen in Kombination mit anderen Hölzern überzeugend zur Geltung. Dem Drechsler geben sie damit Gelegenheit, die Übereinstimmung von Gehalt und Gestalt handwerklich so herauszuarbeiten, dass aus Früchten kleine ästhetisch reizvolle Kreationen entstehen.



