Erstes virtuelles Museum Deutscher Trachten von Karl Rüdiger

 

Präsentation gedrechselter Trachtenfiguren
aus - teils ehemals - deutschen Landen

Herzlich Willkommen, liebe Gäste, im ersten virtuellen Museum deutscher Trachten! Hier erwartet Sie ein Gebäude voller gedrechselter Trachtenfiguren mit zugehörigen Erläuterungen über Land und Leute, deren Eigenarten und Kleidung. Das Gebäude hat viele Abteilungen, womöglich zu viele für einen Besuch.
Der Eintritt ist jedesmal frei. - Viel Vergnügen!

Obgleich die Museumsfassade und eine Abteilung noch nicht ganz fertig sind, steht das Museum vom 3.3.13 an allen Besuchern offen. Das ein oder andere wird noch umgestellt und ergänzt werden. Darum schauen Sie getrost von Zeit zu Zeit wieder hier herein und freuen sich an den Fortschritten.

Vom Eingang des Museums aus betreten Sie am besten zuerst das Foyer und verlassen es zum Schluss Ihrer Runde am Ausgang.


FOYER

Trachtenarmut - Trachtenvielfalt

Volkstrachten begegnet man im städtischen oder auch dörflichen Alltag heute fast gar nicht mehr. Eine Ausnahme bilden die Zimmerleute. Manche von ihnen pflegen auch heute noch Tracht und Brauchtum, und ihre Gesellen gehen auf Wanderschaft, um durch ihre Wanderungen alte Gepflogenheiten und Bräuche in Europa aber auch in Übersee lebendig zu halten. Gezielt kann man ihnen beispielsweise auf Holzmessen (z.B. ‚Holz Handwerk' in Nürnberg oder ‚Ligna' in Hannover) in ihrer Tracht begegnen. Andere Trachtenkleidung findet man noch auf den Trachtenfesten, die von Trachtenvereinen veranstaltet werden. Deren Absicht ist in erster Linie die Traditionspflege, um die Trachten nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Originale, historische Trachten kann man fast nur noch in Museen besichtigen. Nachbildungen en minature finden Sie hier in diesem virtuellen Museum.

Kreativbausteine für gedrechselte Trachtenfiguren

Eine ganz außergewöhnliche Sammlung von Trachtenpuppen besitzt das Museum der deutschen Spielzeugindustrie in Neustadt bei Coburg. Auf der ‹1› Website des Museums heißt es, "dass ca. 800 ständig präsentierte Trachtenpuppen aus rund 100 Ländern zu einer Weltreise im Kleinen einladen. Für die Puppen werden einheitliche Puppenkörper in Neustadt modelliert und von Sachkundigen in der ganzen Welt originalgetreu und vollständig bekleidet."

Vom Besuch dieser Sammlung beeindruckt kam dem Autor die Idee, sich eine solche Trachtenpräsentation statt mit Puppen mit kleinen gedrechselten Holzfiguren in Art der erzgebirgischen Tradition vorzustellen. Aus der Erinnerung an diese Ausstellung festigte sich dieser Gedanke schließlich zu einem Kreativbaustein für sein drechslerisches Gestalten.

Das ‹2› Landesmuseum in Bückeburg zeigt Trachten in Lebensgröße. In großen Schauvitrinen werden Schaufensterpuppen in Originaltrachten zu Gruppen ausdrucksvoll arrangiert. So wirken die Träger der prachtvollen Bückeburger Trachten sehr lebensecht. Diese Art der Präsentation von Aufstellfiguren als zusammengehörige Gruppen oder Ensembles regte den Autor an, eigene Arbeiten womöglich in ähnlicher Anordnung zu präsentieren. So ergab sich aus der Erinnerung an den Besuch im Bückeburger Museum ein weiterer Kreativbaustein für die eigene Gestaltungsabsicht. Von diesem Museum vermittelt nachfolgendes Foto (Abb. 1) einen Eindruck.

Bückeburger Trachten
Abb. 1
Bückeburger Braut vor der Trauung (mit Brautkappe),
Lindhorster Braut nach der Trauung (mit Brautkrone),
Mann in Kirchgangstracht, Kinder in Sonntagstracht.

Bebilderte Bücher über Trachten stellen für den Autor die ergiebigste Quelle kreativer Bausteine für sein Vorhaben dar. Hier gilt ‹3› Le Costume historique (1876 - 1888 ) von Auguste Racinet als "die bedeutendste Darstellung zur Weltgeschichte der Kostüme und Mode vom Altertum bis zum 19.Jahrhundert. Sie besticht bis zum heutigen Tag durch ihre Bandbreite sowie die detaillierte Präsentation von Kleidung und Stilen". So heißt es im Umschlagtext des Buches. Insbesondere die eindrucksvollen, sehr lebendigen Abbildungen dieses Buches haben es dem Autor als weiterer Kreativbaustein angetan.

Noch besser als die beeindruckenden, farbigen Darstellungen bei Racinet eignen sich die deutlicher strukturierten und weniger dymnamischen Darstellungen in der ‹4› Kostümgeschichte in Bildern von Bruhn-Tilke als kreativer Baustein, weil sich danach Werkskizzen als Drechselvorlagen einfacher anfertigen lassen.

Wie von einer Bildvorlage über die Werkskizze die gedrechselte Figur entsteht, wird an folgendem Beispiel (Abb. 2a-c) gezeigt.

Bildquelle Werkskizze Gedrechselte Figuren
Abb. 2a
Bildquelle
Abb. 2b
Werkskizze
Abb. 2c
Gedrechselte Figuren

Diese Abbildungen verdeutlichen den Werdeprozess von den Exponaten des Museums, ausgehend von einer Abbildung in der Buchvorlage aus Bruhn-Tilke (a.a.O, S. 154, Tafel I, Abb. 2).

Trachtenfiguren - handwerklich betrachtet

Die in diesem Museum ausgestellten Trachtenfiguren sind nach Vorlagen aus der ‹4› Kostümgeschichte in Bildern von Bruhn-Tilke aus Ahornholz gedrechselt und je 90 bis 100 mm hoch. Die mit Leim zusammengefügten Teile des Korpus sind mit GESSO grundiert, die Figuren sodann mit Acrylfarben farbig gefasst und schließlich seidenmatt lackiert. Assessoirs sind teilweise aus anderen Materialien (Papier, textiles Material, Bänder, Draht und Dekoblimen) hinzugefügt.

Trachten aus deutschen Landen

Unter 'deutschen Landen' sind im Zusammenhang mit den hier gezeigten Trachtenfiguren die Landesgrenzen gemeint, in denen sich um 1830 die Länder des 'Deutscher Bund' darstellten. Das war damals ein Flickenteppich aus den Königreichen Preussen, Hannover, Westfalen, Württemberg, Bayern und Sachsen, den Großherzogtümern Mecklenburg, Oldenburg, Hessen und Baden sowie etlichen Herzog- und einingen Fürstentümern. Abbildung 3 gibt davon einen ungefähren Eindruck.

Karte der Kleinstaaten im Deutschen Bund um 1830
Abb. 3
Die Kleinstaaten im Deutschen Bund zur Zeit Robert Blums (um 1830)

Volkstrachten als Bedeutungsträger

Der Hinweis auf die Zeit um 1830 ist im Zusammenhang mit der Betrachtung und Darstellung von Volkstrachten wichtig, weil man laut ‹27› Magdalena Bindmann "die Blütezeit der meisten deutschen Volkstrachten in die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts datiert." Das durch die Kleinstaaterei bedingte Nebeneinander der adligen und bürgerlichen Stände korrespondierte zur Ausprägung der Mode als Mittel der Repräsentation von gesellschaftlicher Stellung und Gruppenzugehörigkeit.

Kleiderordnungen zwischen den Ständen haben in Deutschland Tradition. So findet sich in einem ‹28› Schulbuch über die "MODE - Kleidung als Bedeutungsträger" (auf S. 10) zur bäuerlichen Kleiderordnung um 1150: "Dem Bauern ist es nach dem Recht nur Schwarz oder Grau zu tragen erlaubt. Gere (keilförmige Verzierungen des Gewandes) darf er nur an der Seite tragen; rindlederne Schuhe sind genug; für das Hemd sieben Ellen und für die Kniehose Tuch aus Rupfen." Im gleichen Buch heißt es (S. 66 f.): "Die Gliederung der Gesellschaft in Stände erzwingt zunehmend deren optische Präsentation durch Kleidung und Insignien. Dabei war die modische Kleidung der Ranghöheren darum bemüht, sich als eine für die 'Arbeit ungeeignete' Form darzustellen. Im Gegensatz dazu wurde die Arbeitskleidung parallel dazu unter abwertenden Überlegungen gesehen; sie orientierte sich an der Arbeit, am Klima, an der Landschaft und an tradierten Formen. Im Laufe der Entwicklung setzte eine Abgrenzung der Stadtbewohner von der Bauernschaft ein. Die Landbevölkerung hat ihre Arbeitskleidung erst im späten 17. Jh. aus der bescheidenen 'Kittelrock - Hosen - Kombination' zu vergleichbaren Trachten gefunden. Treibende Ursache war auch hier der einsetzende Differenzierungsprozess innerhalb der Dorfgemeinde. Reiche Großbauern adaptierten auf ihre Weise die herrschende Mode des Adels und der Stadt und schufen eine regional geprägte Bauerntracht." Der Hinweis auf die politische Verfassung der Lebenswelt, in der die Volkstrachten entstanden sind und getragen wurden, verdeutlicht, "dass Mode und Kleidung in den verschiedenen Epochen und Kulturräumen Erscheinungsformen intellektueller und ästhetischer Überzeugungen sind." So heißt es im Vorwort zu dem erwähnten Schulbuch (auf S. 3).

Über dieses virtuelle Museum

Der geografischen Anordnung der Länder entspricht die Gliederung des virtuellen Museumsgebäudes. Auf treppenförmigen Podesten sind Trachtenfiguren aus benachbarten Trachtenregionen nebeneinander aufgestellt. Dies ist auch dem Umstand geschuldet, dass die Exponate nur Beispielcharakter haben und hierbei Vollständigkeit weder regional noch temporal realisiert werden kann. Im Anschluss an die Eingangstableaus der Regionen werden Figurenpaare oder Dreiergruppen aus den Landesbereichen noch einmal im Detail vorgestellt und erläutert. Dabei werden nicht nur die Trachten an sich in den Blick genommen, sondern auch Land und Leute und die Lebenswelt der Menschen, die solche Trachten getragen haben.

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Nordfriesische Inseln, Holstein

- im Aufbau -

Reservierter Raum

Von der Nordfriesischen Marsch, Amrum, Föhr und Sylt sind seit Mitte des 18. Jahrhunderts kunstvolle und ausdrucksstarke Trachten überliefert. Hinweise darauf finden sich z.B. in einem Wikipedia-Artikel über ‹5› "Schleswig-Holsteiner Trachten". Die aus dieser Region für die hiesige Ausstellung vorgesehenen Exponate befinden sich derzeit noch in der Entwurfsphase.

Holstein

Auf einem Podest zeigt ein Paar aus der "Probstei" seine Tracht:

Paar aus der Propstei
Abb. 4
Paar in Bauerntracht

Geografisch versteht man unter "Probstei" eine Landschaft nordöstlich der Kieler Außenförde. Außerdem gibt es mit diesem Namen noch ein "Amt Probstei", das im Kreis Plön liegt. Die Probstei ist noch heute geprägt durch die Landwirtschaft. Sie ist traditionell für ihre Getreideproduktion bekannt, die zum Teil bis nach Skandinavien verschifft wurde.

An diese Zeit erinnern unter anderm die Bauerntracht und die Probsteier Korntage, die im August stattfinden. Bei dieser Veranstaltung wird eine Kornkönigin gewählt und in den Dörfern der Probstei werden große Strohfiguren aufgestellt, die ebenfalls prämiert werden.

Die Schleswig-Holsteiner halten ihre alten Traditionen bis heute lebendig. Für viele Einheimische sind sie Teil eines norddeutschen Lebensgefühls und tragen damit zum unverwechselbaren Charakter des Landes bei.

Das in Abb. 4 dargestellte Paar gibt dafür ein Beispiel: Die Frau (um 1800 - 1810) trägt ein Leinenhemd unter dem ausgeschnittenen Mieder, einen Faltenrock und eine Bänderhaube, der Mann eine ältere Bürgertracht (um 1786) mit Langrock, Kurzweste und gestreifter Kniehose.

Sonderausstellung

Eine umfangreiche Sammlung Schleswig-Holsteinischer Trachtenfiguren wird in der Sonderausstellung präsentiert.

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Pommern, Rügen, Mecklenburg, Brandenburg

Je ein Trachtenpaar aus jeder dieser vier Regionen steht auf dem in Abb. 5 gezeigten Podest:

Trachten aus Pommern, Rügen, Mecklenburg und Brandenburg
Abb. 5
Vier Trachtenpaare aus (v.l.n.r.) Pommern, Rügen, Mecklenburg und Brandenburg

Pommern

‹7› Hinterpommern ist der östliche Teil Pommerns. Er gehört seit 1945 zu Polen. Im Südwesten dieses Gebiets liegt der "Pyritzer Weizacker", den man seiner Fruchtbarkeit wegen auch als "Kornkammer" des Landes bezeichnet. Diese Gegend ist nur dünn besiedelt und landschaftlich geprägt von eiszeitlich geformten Moränen, Seen, Flüssen, sanften Hügeln und dichten Nadelwäldern.

Als typisches Merkmal der Menschen in dieser Region darf man deren ausgeprägtes Selbstwusstsein ansehen, wie es beispielsweise in dem ‹8› Gedicht "Der Pommer" von H.J. Schumann deutlich wird:

Der "Pommer"

Ein Pommer kommt ins Himmelreich und denkt, vor Gott sind alle gleich.
Doch Petrus schaut Ihn an und spricht: "Ein Pommer im Himmel brauch ich nicht.
Fahr lieber Du hinab zur Erden, damit die Menschen wie Pommern werden."
Und Petrus spricht mit Blitz und Donner: "Ein glücklicher Mensch ist nur ein Pommer."

Ein Pommer muss mal einen heben, sein Leben lang will Er nur streben,
das hat Er immer so getan; drum fängt Er auf der Erd' gleich an.
Er ist zwar still, auch etwas schüchtern; betrachten tut Er alles nüchtern.
Drum baut Er sich zuerst ein Haus und schmückt es gleich von innen aus.

Nun fängt Er wieder an zu sparen, Er will 'ne Frau und Kinder haben.
Damit die Menschen hier auf Erden, wenn möglich alles Pommern werden.
Jetzt hat Er alles gut bestellt, den Pommern gibt es auf der ganzen Welt.
Ein jeder kann es ja doch sehen, wo seine neuen Häuser stehen.

Der Pommer ist ein Pferdefreund, den Petrus das besonders freut.
Als Dank dafür lässt er Ihn fahren, 'gen Himmel zu den alten Ahnen.
Nun schaut herab vom Himmel Er, auf sein geschaffen Pommern-Heer.
Im Himmel ist Er nie allein, denn Engel können nur Pommern sein.

Pyritzer Weizacker
Abb. 7
Brautpaar aus dem 'Pyritzer Weizacker'

Selbstbewusstsein drückt sich in den Trachten dieser Region aus: Die Braut in Abb. 7 präsentiert sich in grellen Farben rot und grün, der Bräutigam in langem, rot gefüttertem Rock aus blauem Tuch im strengen Schnitt eines Uniformmantels, darin ein seidenes Halstuch, auf dem Kopf ein Filzhut mit Seidenbändern.

Rügen

"Rügen hatte in seiner Geschichte viele Herren. Doch keinem gelang es, den widerspenstigen und aufmüpfigen Charakter der Inselbewohner zu zähmen." So lautet eine kurzgefasste Charakteristik der Rüganer in der ‹6a› Rezension von Johannes Kaiser zum Buch der Autoren Holger Teschke und Karsten Bartel ‹6b› "Rügen - Jahreszeiten einer Insel". Als "Sturköpfe par excellence" beschreibt Holger Teschke "die Rüganer, denen weder die Dänen oder Schweden noch die pommerschen Fürsten oder die Preußen ihren aufmüpfigen Charakter, den trockenen Humor und ihre Dickschädeligkeit austreiben konnten."

Solche Charakterzüge bilden sich eben unter so kargen und harten Lebensbedingungen aus, denen Fischer auf Rügen ausgesetzt waren. Und derart ausgeprägte Charaktere kleiden sich in dazu passende Trachten.

Fischerpaar auf Rügen
Abb. 6
Fischerpaar vom Mönchsgut

Die Frau des Fischers trägt als Kopfbedeckung eine hohe Kegelmütze über einer weißen Haube, der Fischer eine Schirmmütze, dazu eine kurze Jacke und offene, schwarze Tuchhosen. Die schlichte Gewandung und die strenge, aufrechte Haltung der Figuren passt zu den Eigenschaften, die man den Inselbewohnern Rügens gemeinhin zuschreibt.

Mecklenburg

Über typische Menschen aus dem Nordosten der Bundesrepublik berichtet ein Artikel in der ‹9› WELT vom 24.03.12 mit dem Titel "Mecklenburg, das Land der Stillen und Starken". Es ist die Heimat u.a. von Angela Merkel und Joachim Gauck.

"Keine quirligen Sachsen oder vorlauten Berliner, sondern Vertreter des schweigsamsten Stammes, den unser Land zu bieten hat…". Nicht wortkarg, sondern "selbstbewusst, wortgewandt und frech" seien die kleinen Gaucks gewesen, so erinnert sich der deutsche Bundespräsident an seine und seiner Geschwister Kindheit.

Dieses arme, stille Mecklenburg: Viel hat es eigentlich nicht zu bieten. Aber die Menschen, die hier zu Leuchttürmen geworden sind, hatten eine unsichtbare Ressource: den Glauben.

"Anders als die elterliche oder die staatliche Autorität bot der Glaube die Möglichkeit, sich einer Wahrheit anzuvertrauen, die von niemandem befohlen und von niemandem genommen werden konnte. Er vermittelte eine geheimnisvolle Kraft, die uns befähigte, den Minderheitenstatus durchzuhalten, mutig zu bleiben, wo andere sich schon angepasst hatten, und Anständigkeit, Treue und Glauben für wichtiger zu halten als Wohlstand, Karriere oder öffentlichen Erfolg." Das hat Joachim Gauck in seiner Autobiografie geschrieben. Von dort ist es ein kurzer Weg zu der Jahreslosung 2012, die viele Protestanten begleitete. Sie steht im 2. Korintherbrief und lautet: "Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig."

Die Unaufdringlichkeit und Zurückhaltung wie auch das sichere, in sich ruhende Auftreten vieler Menschen aus dieser Region finden auch in Schnitt und Farbgebung der hier getragenen Trachten ihre Entsprechung:

Paar aus Mecklenburg
Abb. 8
Paar aus Mecklenburg

Die Frau in Abb. 8 trägt einen kleinen Strohhut mit schwarzen Flatterbändern auf dem Kopf, der Mann einen hohen Filzhut, dazu einen Tuchrock in Uniformschnitt.

Mark Brandenburg

Die Menschen in Brandenburg charakterisiert ein Artikel im Internet, bei dem man das nicht sofort vermutet, nämlich ein ‹10› Umzugsratgeber des Unternehmens markt.de.

"Die Menschen hier sind eher zurückhaltend, haben viel Zeit und begegnen Fremden mit einer gewissen Distanz. Schöne Häuser, gepflegte Vorgärten und vor allem Wald, Seen und Wiesen sind ein Bild, das man in Brandenburg häufig finden kann. Typisch für alle Brandenburger ist jedoch, dass gern gefeiert wird und mit Feuer hantiert wird. So wird nahezu in allen Jahreszeiten ein Feuer gemacht und gemeinschaftlich gefeiert. Das Osterfeuer brennt in fast allen Gemeinden, das Herbstfeuer und zwischendurch etliche andere Feuer und Feuerwerke werden heute gern und oft durch die aktiven 'Freiwilligen Feuerwehren' organisiert. Auch typisch für Brandenburg sind Sommerfeste, die meist an Gemeindehäusern, Seen oder Kanälen im Freien durchgeführt werden. Auch Erntedankfeste, Traktorenfeste, Kartoffelfeste, Fischerfeste und ähnliches stehen hoch im Kurs bei den Brandenburgern. So ist es auch nicht ungewöhnlich, wenn die Brandenburger sich zwar gern in ihren hübschen Häusern und Gärten beim Grillen aufhalten, jedoch sind Freizeitaktivitäten in der Natur für den Brandenburger ein Muss."

Einfache und unaufdringliche Festlichkeit kennzeichnet auch die ausgestellte Tracht:

Bauernpaar aus Lebus
Abb. 9
Bauernpaar aus dem Kreis Lebus

Die Frau in Abb. 9 trägt eine rote Bändermütze über der Spitzhaube auf dem Kopf, der Mann einen Zylinder, dazu einen langen, rot gefütterten Uniformrock. Man mag gern nachvollziehen, dass diese Tracht für Menschen gemacht ist, die in der dörflichen Gemeinschaft gerne feiern. Der lange Uniformrock in Verbindung mit Zylinder und Pfeife vermittelt dabei eher friedvolle Gemütlichkeit als strenge Förmlichkeit.

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Hamburg, Hannover, Braunschweig

Trachten aus Hamburg-Braunschweig-Hannover
Abb. 10
Trachtenpaare aus Hamburg, Braunschweig,
Braunschweig-Wendeburg und Hannover

Aus diesen Trachtenregionen wird der Fokus beispielhaft auf "Vierlande" (Hamburg-Bergedorf), "Altes Land" (Elbmarsch), Gifhorn (nördlich von Braunschweig nahe Wolfsburg), Bortfeld (Braunschweig-Wendeburg), und Groß-Denkte (bei Wolfenbüttel) gerichtet.

Die Trachten, die das Museum aus dem Hamburger und Braunschweiger Land gezeigt werden, sind Ausgehtrachten der einfachen Leute: schlicht, kleidsam und ohne großen Zieraufwand.

Vierlande

‹11› Vierlande nennt man ein Gebiet im Hamburger Bezirk Bergedorf. Die Bewohner der Vierlande waren freie Bauern, obgleich das ganze Gebiet öfter den Besitzer wechselte. Die Landwirtschaft begann im 17. und 18. Jahrhundert mit dem Anbau von Gerste und Hopfen. Heute werden dort Blumen, Obst und Gemüse verschiedenster attungen kultiviert. Die Vierländer Bauern sind Marktgänger; denn seit jeher haben sie ihre Produkte auf den Hamburger Märkten verkauft.

Die Vierländer sind als freie Bauern aber auch ‹12› Hanseaten. Als solche verkörpern sie Haltungen und Einstellungen,zu denen Weltläufigkeit, kaufmännischer Wagemut, Gediegenheit, Verlässlichkeit ("Handschlag genügt"), Zurückhaltung sowie die Fähigkeit zur Selbstironie gehören. Und hinzu kommt - jedenfalls für das Hanseatentum alter Prägung - dass "diese freien Bürger wirklich denselben Stolz kultivieren wie der hochmütigste Aristokrat."

Marktgänger aus Vierlande
Abb. 11
Marktgänger aus Vierlande

Die Marktgängerin aus Vierlande trägt unter dem Strohhut eine schwarze Haube mit gestreifter, plissierter großer Schleife, die dort "Nessel" oder "Krähe" genannt wird. Reicher Schmuck und Stickerei gehören zu ihrer Tracht. Der Marktgänger hat einen Zylinder als Kopfbedeckung und trägt eine rotbraune Weste und Wolljacke mit Silberknöpfen.

Die Tracht der Marktgänger ist eine Arbeitstracht und keine Festtracht. Ihre Machart lässt in der Färbung, im Material und im unaufwendigen Schnitt die Haltung des "königlichen Kaufmanns" aufscheinen, die sich in 'Handschlag genügt!' ausdrückt.

Altes Land und Gifhorn

Das Alte Land ist ein Teil der Elbmarsch südlich der Elbe im Bereich von Hamburg und dem heutigen Niedersachsen. Schwerpunkt der Besiedlung sind die elbnahen Gebiete mit dem äußerst fruchtbaren Marschboden. Aufgrund der Fruchtbarkeit des Bodens bildete sich eine besondere bäuerliche Kultur aus. Die Dörfer sind Marschhufendörfer, bei denen die Höfe an der Straße liegen und das Land gleich hinter den Höfen beginnt. Kennzeichnend sind reich verzierte Bauernhäuser sowie insbesondere die typischen Prunkpforten. Heute wie vor 150 Jahren wird in diesem Raum vor allem Obst angebaut, jetzt vorwiegend Äpfel, Kirschen und Birnen.

‹14› Gifhorn liegt bei Hannover und Braunschweig an der Aller. Es besteht aus der Kernstadt mit ihrer historischen Altstadt und fünf umliegenden Stadtteilen, die ursprünglich alle eigenständige Dörfer waren. Das prägt heute noch deren Aussehen.

Während der Hansezeit entstanden viele Handwerksbetriebe: Zu den bereits ansässigen Bäckern, Metzgern, Schustern und Ackerbürgern kamen weitere Handwerker, wie zum Beispiel Weber, Färber, Töpfer und Bierbrauer hinzu.

Altes Land und Gifhorn
Abb. 14
Frau aus dem "Alten Land" und Mann aus Gifhorn

Die Obstbäuerin aus dem "Alten Land" trägt ein farbiges Seidenmützchen mit breiter Borte und linksseitig getragener Schleife, deren Enden lang herab flattern. Ihre Tracht schmückt ein goldbestickter Brustlatz sowie reicher Silber-Filigran-Schmuck von Ketten und Knöpfen. Diese geschmackvolle und kleidsame Tracht der Obstbäuerin zeugt von Wohlstand und Kultur.

Der Mann aus Gifhorn trägt einen Hut mit weiter, flacher Krempe und einen langen, schwarzen ausgestellten Tuchrock mit rotem Futter. Der Mann könnte ein ‹15› Ackerbürger sein, also ein Stadtbürger, der seinen Landbesitz in der Stadtgemarkung hauptberuflich als Landwirt bewirtschaftete. Das war in vielen kleinen Landstädten bei der Mehrzahl der Bürger der Fall. Seine Ausgehtracht zeigt, dass wir es hier mit einem Mann zu tun haben, der im vollen Bewusstsein seines Ansehens und seines Wohlstandes auftritt

Bortfeld

Bortfeld ist ein Dorf der Gemeinde Wendeburg im Landkreis Peine in Niedersachsen. Bortfeld liegt etwa 3 km nordwestlich der Stadt Braunschweig.

Bortfelder Trachten
Abb. 13
Mann, Marktgängerin und Bauer aus Bortfeld

Der Mann aus Bortfeld trägt eine Pelzmütze und unter einer kurzen Jacke eine rote Tuchweste. Die Marktgängerin hat eine kleine Wulsthaube auf dem Kopf, auch "Eidopp" genannt, mit vierfachen, breiten Bändern. Dazu trägt sie einen roten, plissierten Rock mit grünem Besatz und außerdem ein "Halshemdchen" (Goller) mit großer Halskrause. Der Bauer hat einen Hut mit großer, hochgeschlagener Krempe auf und trägt einen langen, weißleinenen, rot gefütterten Kittel.

Wolfenbüttel

Die ‹13› Norddeutschen werden gerne als wortkarg, kauzig und ungesellig dargestellt. Sieht man genauer hin, dann erkennt man bald, dass man es mit Menschen zu tun hat, die gerne quer denken aber geradeaus handeln. Sie erkennt man an ihrer Haltung, nicht an ihrer Sprache. Erfolgreich gegen den Strom heißt das Motto. Sie alle verkörpern eine spezielle Tradition, die mit dem Märchen vom Hasen und dem Igel begann: Da gewann der Igel das Wettrennen bei Buxtehude, weil er schneller denken konnte, als der Hase zu laufen vermochte. So sind sie, die Niedersachsen. Denken quer und handeln geradeaus. Und gewinnen: "Ick bün all hier." -

Frau aus Groß-Denkte
Abb. 12
Frau aus Groß-Denkte

Die Frau aus Groß-Denkte bei Wolfenbüttel trägt eine kleine, schwarzseidene Spitzmütze, dort "Eidopp" genannt, eine steife Faltenkrause und einen roten Faltenrock. In ihrer schmucken Tracht, die so bieder daher kommt, mag man ihr gerne zutrauen, dass sie "schon da ist", wenn andere noch unterwegs sind.

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Westfalen, Schaumburg

Trachten aus Westfalen und Schaumburg
Abb. 15
Trachten aus dem Ravensburger Land, Waldeck, Dankersen und Bückeburg

Die einzelnen Paare aus diesen Trachtengebieten werden nachfolgend auf separaten Podesten dargestellt.

Ravensburger Land und Waldeck

Das Ravensburger Land ist eine Kulturlandschaft in Ostwestfalen im Nordosten des heutigen Nordrhein-Westfalens. Merkmale dieser Landschaft sind eine alte intensive landwirtschaftliche Nutzung, vielfältige Industrie und eine hohe Bevölkerungsdichte. Geschichtlich ist der Raum durch die jahrhundertelange Zugehörigkeit zu Preußen geprägt.

Freienhagen ist ein Stadtteil der Stadt Waldeck im Landkreis Waldeck-Frankenberg in Nordhessen. Der Ort liegt an der Deutschen Fachwerkstraße. Das ursprüngliche Freienhagen ist ein relativ regelmäßig aufgebauter Ort, der an einer Hauptstraße, und zwei dazu parallel verlaufenden Hinterstraßen, die untereinander durch Gassen verbunden sind, angelegt ist. Noch heute prägt die Landwirtschaft den Ort. Durch ihren Holzreichtum ist sie eine sehr wohlhabende Stadt.

Ravensburger Land und Freihagen
Abb. 16
Frau aus dem Ravensburger Land
und Mann aus Freienhagen

Die Frau trägt eine bunte Plattenhaube mit Bändern als Kopfschmuck und um den Hals eine Kantenkrause.Ihre Tracht dürfte eine Ausgehtracht sein. Der bäuerliche Grundcharakter wird akzentuiert durch die grüne Schürze und den bunten Hauben- und Bänderschmuck über dunkler Bluse und dunklen Rock.

Der Mann hat eine Pelzmütze mit Ohrenwärmern auf dem Kopf und ist mit einem Langrock mit zwei Knopfreihen warm angezogen. Seine Freienhagen zugeordnete Tracht fällt auf durch ihre Einfarbigkeit und ihren strengen Schnitt. Bei der in der Regel bunten Farbigkeit der bäuerlichen Trachten lässt der schwarze Langrock und die Pelzmütze bei seinem Träger Individualität, Eigenständigkeit und Seriosität vermuten und eher auf einen wohlhabenden Stadtbürger als auf einen Landbewohner schließen.

Dankersen

Dankersen ist ein Stadtteil von Minden im heutigen Nordrhein-Westfalen. Ursprünglich war es ein typisches ostwestfälisches Dorf, geprägt durch die Landwirtschaft. Das Viertel besitzt einen alten Dorfkern mit eigener Kirche. Es gibt viele alte Fachwerkhäuser aus dem 19. und 20.Jahrhundert die teilweise noch in einem sehr guten Zustand sind.

Nach einem Klischee sind die Westfalen stur. "Westfälische Dickköppe" nennt man sie. Doch der Westfale kann auch sehr zuverlässig sein. Er macht nicht viele Worte, jedoch wenn er etwas sagt, dann kann man sich darauf verlassen. Zum Freund machen sie nicht jeden, "sie schaun zuvor auf's Herz, nicht auf den Schein". Unverbrüchlich stark ist ihre Heimatverbundenheit.

Im ‹16› Westfalenlied, das den Charakter der Menschen im "Land der roten Erde" beschreibt, heißt es: "Gradaus, das ist Westfalenbrauch, es fragen nicht nach Spiel und Tand, die Männer aus Westfalenland." Und von den Westfälischen Frauen heißt es: "Treu in Glück und Schmerz, bleibt bis zum Tod ein liebend Herz."

Paar aus Dankersen
Abb. 17
Paar aus Dankersen

Die Frau trägt auf dem Kopf eine Steilhaube, deren bunte Bänder vor dem Körper herabhängen. Um den Hals trägt sie einen Goller, d.i.ein Halshemdchen. Ein schwarzer Hut mit nach oben gebogener Krempe und seitlichem Band bedeckt den Kopf des Mannes. Der Kragen seiner braunen Kurzjacke mit versetzten Knöpfen passt farblich zur Haube der Frau. Zudem trägt er einen innen rot gefütterten, schwarzen Langrock. Das Paar trägt eine Festtagstracht. Stolz, aufrecht und selbstbewusst präsentieren sie sich. Die Tracht unterstreicht überzeugend das typische Lebensgefühl der Träger in ihrer Heimat.

Bückeburg

Bückeburg war bis 1918 Residenzstadt des Fürstentums Schaumburg-Lippe. Die Stadt liegt westlich von Hannover, unmittelbar nördlich des Weserberglandes am Rande der Norddeutschen Tiefebenen. Die einstige Grafschaft Lippe wurde später Fürstentum und Freistaat - dann eigenes Bundesland und ist heute Teil von Nordrhein-Westfalen. Die Lipper haben in diesen geschichtlichen Veränderungen immer ihre ganz eigene Haltung bewahrt.

So ist es nicht verwunderlich, dass sich hier ein besonderes Völkchen entwickelt hat, welches Herzlichkeit auch ohne viele Worte ausdrücken kann. Natürlichkeit und Ursprünglichkeit spürt man überall, wenn man sich auf eine Reise durch Lippe begibt. Davon kündet beispielsweise auch die Internetseite des ‹17› Teutoburger Waldes.

Die Lipper gelten als sparsam und haben ein ausgeprägtes Heimatbewusstsein. ‹18› Lippischer Anekdoten bezeugen das.

Bauernpaar aus Bückeburg
Abb. 18
Bauernpaar aus Bückeburg

Die Bückeburger Tracht ist ein besonders auffallendes Gewand. Sie wurde im Westen Schaumburgs getragen. Zu festlichen Anlässen trugen die Frauen ein Leinenhemd, den roten Bandrock mit farbigem Saumbandbesatz, eine Schürze in vielen Farbvariationen, das Wams, ein besticktes Schultertuch, die Halskrause (hier "Kragen" genannt), ein Brusttuch und gestrickte Unterarmstulpen ("Handschen"). Die auffälligste Besonderheit aber ist die große schwarze Flügel- oder Schleifenhaube mit langen Bändern, die so genannte "Mütze". Um die Taille wurde ein "Queder" gebunden.

Die Männer trugen weiße Leinenhemden, dunkle Halsbinden, lang- und kurzärmelige Westen mit zwei Knopfreihen, Kniebundhosen und weiße Leinenkittel. Dazu kam eine Pelzmütze oder der schwarze Kirchenhut.

Diese Merkmale treffen auch für das in Abb. 18 dargestellte Paar zu: Die Kopfbedeckung der Bäuerin ist eine Flügel-Schleifenhaube, die des Bauern eine Pelzmütze. Der Bauer trägt über einer kurzen Jacke mit farbigen Querschnallen einen weißen Kittel mit roten Revers.

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Hessen, Thüringen

Trachten aus Hessen und Thüringen
Abb. 19
Trachten aus Hessen und Thüringen

Diese Trachtenregion wird durch Beispiele aus der Schwalm, Biedenkopf, Harz und Ettersberg (bei Weimar) vorgestellt.

Die Schwalm

Die Schwalm ist der Hauptzufluss der Eder in Hessen. Sie fließt durch das hessische Hügelland bis zur Niederungslandschaft Schwalm, die ihren Namen vom gleichnamigen Fluss erhalten hat. Die Bewohner der Schwalm werden als Schwälmer bezeichnet. Bekannt ist das Gebiet der Schwalm auch wegen der Schwälmer Tracht mit ihrem charakteristischen Betzel, das von manchen als Vorbild des Rotkäppchens im gleichnamigen Märchen der Brüder Grimm angesehen wird. Das trifft nicht zu, weil das Märchen älter ist als die Tracht.

Die Schwälmer sind ein lebensfrohes Volk. Sie sehen sich gerne als eigenständiges Volk an und sind wenig begeistert, wenn man sie als Hessen bezeichnet. Gleichwohl gehört die Schwalm aufgrund ihrer geographischen Lage zu Hessen.

Seit etwa 150 Jahren trägt man in der Schwalm Trachten wie die in Abb. 20 dargestellten. Bei den Schwälmer Trachten gab es allerdings von Dorf zu Dorf der Schwalm kleine Unterschiede.

Die Männer trugen werktags meist einen blauen Kittel und dunkle Kniehosen. Bei der Sonntagskleidung wurde eine zweifache Weste unter der blauen kurzen oder der weißen Langjacke getragen. Typisch für die Männertracht sind die Otter- oder Bromkappen. Bromkappen wurden von den Männern im Winter getragen.Sie wurden früher aus Astrachanfell hergestellt, nach dem ersten Weltkrieg allerdings aus Brom, einem Imitationsgewebe.

Die Frauen trugen unter einem faltenreichen schwarzen Rock mit Bandbesatz je nach Wohlstand bis zu 15 weitere Röcke übereinander, die stufenweise hervorschauten. Weiße Hemdärmel schauten aus dem eng ansitzenden Mieder, das herzförmig geknöpft wurde. Typisch für die Frauentracht sind sind die bunt verzierten 'Betzel' (Häubchen), die vor allem sonntags auf dem 'Schnatz' getragen wurden, dem vorn auf dem Kopf gebundenen Haarknoten.

Schwalm
Abb. 20
Männertrachten und Frauentracht aus der Schwalm

Die Bäuerin trägt ein rotes 'Betzel' (Häubchen) auf dem 'Schnatz' (Haarknoten). Die Bauern tragen zu ihren Fellkappen ihre Sonntagkleidung mit zweifacher Weste und Jacke.

Biedenkopf

Der Kreis Biedenkopf wurde 1832 durch ein großherzoglich-hessisches Edikt geschaffen und umfasst im Wesentlichen den nördlichen Teil des Hessischen Hinterlandes. Die Schwalm wurde schon bei den voraufgehenden Trachtenfiguren dargestellt. Zum Hessen ist noch zu bemerken, dass er ein friedfertiger und geselliger Mensch ist. Wegen der Eigentümlichkeiten des hessischen Dialekts, alle g's als sch, alle st als schd und alle er mit ä auszusprechen, wird den ‹19› Hessen oft leichfertig ein einfaches Gemüt unterstellt. Das widerlegen zahlreiche berühmte und sehr feinsinnige Persönlichkeiten aus Hessen wie beispielsweise Goethe, Heinrich Hoffmann (Struwwelpeter), Adorno, Schopenhauer, Anne Frank, Otto Hahn, Albert Mangelsdorf, Heinz Schenk oder Norbert Blüm.

Die hessischen Trachten sind Volkstrachten, die Auskunft darüber geben, aus welchem Grund beziehungsweise bei welchem Anlass sie getragen wurden. Wie die in Abb. 20 dargestellten ist auch die nächste eine Sonntagstracht.

Unaufdringlich und festlich trägt man damit der Besonderheit des wöchentlichen Feiertags Rechnung, der durch den Kirchenbesuch der Gläubigen 'geheiligt' werden sollte.

Biedenkopf
Abb. 21
Bauersfrau aus Biedenkopf

Bei der festlichen Frauentracht aus Biedenkopf erhält der Rock seine Glockenform ähnlich wie bei der Schwälmer Tracht durch die Zahl Unterröcke, die unter dem faltenreichen schwarzen "Oberrock" getragen werden. Das Schnürmieder ist ein "Knöppelding", ein offenes Leibchen ohne Ärmel aus schwarzem Samt. Es ist herzförmig geknöpft, auf der einen Vorderseite mit neun und auf der anderen Seite mit 10 Knöpfen. Darunter bedecken halblange weiße Hemdärmel die Arme. Dazu wird auf dem Kopf eine schwarzen Kappe getragen.

Harz und Thüringen

Der Ettersberg ist ein Höhenzug im Inneren des Thüringer Beckens mit dem sowohl höchsten Punkt der Stadt Weimar in Thüringen als auch des Thüringer Beckens überhaupt. Der Ettersberg trägt das einzige Waldgebiet seiner Umgebung. Der Berg hat eine wechselvolle Geschichte. Am Nordrand des Berges befindet sich das Barock-Schloß und Park Ettersberg .Während der NS-Zeit wurde im Nordwesten des Ettersbergs das KZ Buchenwald angelegt.

Die Harzbewohner kann man kaum auf einen Nenner, geschweige unter einen Hut bringen. Alte Karten haben thüringische, fränkisch-hessische, ober- und niedersächsische Farben. Dem entsprechen unterscheidet sich das Brauchtum in Thüringen von Dorf zu Dorf und von Region zu Region. Die Kirmes allerdings wird im ganzen Land in fast jedem Dorf alljährlich als zentrales Dorffest begangen. Auch Schützenfeste sind in einigen Landesteilen ein dauerhafter Bestandteil der dörflichen Lebenskultur.

 

Vor diesem Hintergrund erscheint es angemessen, dass hier für diesen Landstrich Alltagstrachten gezeigt werden. Aber auch diese sind in ihrem schlichten Charme nicht weniger reizvoll als die anderweitig meist ausgestellten Sonntags- oder Festtagstrachten.

Ettersberg und Harz
Abb. 22
Frau aus Ettersberg und Schäfer aus dem Harz

Die Frau aus Ettersberg (bei Weimar) trägt eine breite Schleifenhaube und einen violetten Umhang über ihrem schlichten Kleid mit einfarbiger Schürze. Vermutlich wird die Bäuerin Schleifenhaube und Umhang bei der Arbeit abgelegt haben, wenn sie dabei hinderlich waren. Aber Trachtenbücher belegen, dass diese zur Alltagstracht gehörten und auch auf dem Weg zur Arbeit getragen wurden. Grundsätzlich galt für die Kleidung der Bauern der Spruch: 'Selbst gesponnen , selbst gemacht , ist die beste Bauerntracht.' Das heißt Beiderwand, Leinen, derb und grob. Allerdings bildet die künstlerische Darstellung stilisierter Trachtenfiguren die Wirklichkeit nicht einfach nur ab, sondern 'ästhetisiert' sie auch.

Entsprechendes gilt für den Schäfer aus dem Harz mit seinem rot gefütterten Tuchrock mit Messingknöpfen. In einer Kleiderordnung von 1543 heißt es, dass beispielsweise der Schäfer eine ihn kennzeichnende Kleidung zu tragen habe, damit man "ihm nicht fälschlich Reverenz erweisen" würde. Darin drückt sich auch die Außenseiterrolle des Schäfers aus, wie sie zum Beispiel im Text unter Abb. 13 des Aufsatzes über ‹29› "Santons de Provence" erläutert ist.

 

Sonderausstellung

Mit einer umfangreichen Sammlung Thüringer Trachtenfiguren wird diese reizvolle Trachtenlandschaft in einer Sonderausstellung gewürdigt.

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Lausitz, Schlesien

Spreewald und Schlesien
Abb. 23
Trachten aus dem Spreewald und aus Schlesien

Zwei Paare aus diesen Trachtenregionen werden nachfolgend auf separaten Podesten dargestellt.

Lausitz

Die Lausitz ist eine Region, die heute teils zu Deutschland und teils zu Polen gehört. Die Lausitzer Neiße bildet dabei die Grenze. Den nördlichsten Teil der Niederlausitz bildet der Spreewald. Er ist ein ausgedehntes Niederungsgebiet und eine historische Kulturlandschaft. Landschaftlich wird sie durch die natürliche Flusslaufverzweigung der Spree mit ihren Erweiterungen durch zahlreiche Kanäle geprägt. Ihre kulturelle Besonderheit verdankt diese Landschaft den Sorben. Die Sorben, auch Wenden genannt, sind ein westlawisches Volk mit eigener Sprache. Es lebt in der Ober- und Niederslausitz. In Deutschland sind die Sorben als nationale Minderheit mit eigener Hymne und Fahne anerkannt.

Sorbisches Brauchtum gehört auch heute noch fest zum Leben vieler sorbischer Menschen. Von diesen Traditionen sind etliche eng an den Jahreskreis der kirchlichen Feiertage gebunden. In einigen Gebieten wird eine Alltagstracht wie die der in Abb. 24 gezeigten Trachtenträgerin noch heute von manchen älteren Frauen täglich getragen. Zu besonderen kulturellen Ereignissen, an bestimmten kirchlichen Feiertagen und zu Familienfeiern (Hochzeit, Taufe, Kommunion, Firmung, Konfirmation) tragen Frauen und Mädchen aller Altersgruppen sorbische Festtrachten. Das Schneidern, Besticken und Ankleiden - insbesondere der Festtrachten - beherrschen mittlerweile nur noch wenige Schneiderinnen. Dabei sind strenge Normen der jeweiligen Tracht einzuhalten. Das Tragen der Trachten zu den genannten Anlässen ist ein Identitätsmerkmal, auch wenn es nicht fest an die sorbische Sprache gebunden ist. Über die ‹20› Bräuche, Kunst und Traditionen der Sorben findet sich eine Kurzbeschreibung auf der Seite "Land, Leute und Regionen" des Freistaates Sachsen.

Sorbowendin und Hochzeitsbitter aus dem Spreewald
Abb. 24
Sorbowendin und Hochzeitsbitter aus dem Spreewald

Die Sorbowendin trägt über einem Kopftuch mit Flügelzipfeln eine große Schleifenhaube, der Hochzeitsbitter als Kopfschmuck einen Zweispitz, dazu passend einen Uniformrock mit Schärpe. Tradition und Tracht dieses "Berufsstandes" scheint länderübergreifend ähnlich zu sein. Das zeigt beispielsweise ein Vergleich mit dem Hochzeitsbitter aus Altenburg, der in Abb. 5 der Sonderausstellung Thüringer Trachten dargestellt ist.

Schlesien

Preußisch-Schlesien war eine Provinz im Südosten des Staates Preußen. Sie bestand von 1815 bis 1941. Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel Schlesien fast gänzlich an Polen. Nur ein kleiner Teil verblieb bei Deutschland. Er verteilt sich heute innerhalb des Freistaates Sachsen auf die Landkreise Bautzen und Görlitz. Die ‹21› Entwicklung Schlesiens fasst ein Wikipedia-Artikel übersichtlich zusammen.

Der schlesische Schriftsteller Gustav Freytag schildert die typischen Wesensmerkmale seiner Landsleute so: "Sie sind ein lebhaftes Volk von gutmütiger Art, heiterem Sinn, genügsam, höflich und gastfrei, eifrig und unternehmungslustig, arbeitsam wie alle Deutschen, aber nicht vorzugsweise dauerhaft und nicht vorzugsweise sorgfältig; von einer unübertrefflichen Elastizität, aber ohne gewichtigen Ernst, behende und reichlich in Worten, aber nicht ebenso eilig in der Tat, mit einem weichen Gemüt, sehr geneigt, Fremdes auf sich wirken zu lassen, und doch mit nüchternem Urteil, welches ihnen die Gefahr verringert, das eigene Wesen aufzuopfern; beim Genuss heiterer, ja poetischer als die anderen Stämme, aber auch in seinem idealen Leben vielleicht ohne die Größe massiverer Volksnaturen."

Oberschlesien
Abb. 25
Festliche Wintertracht aus Oberschlesien

Zur Frauentracht gehört eine Ärmeljacke mit Schulterkragen, zu der des Mannes ein fußlanger Rock und eine hohe Pelzmütze.

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Bayern

Bayern
Abb. 26
Trachten aus Bayern

Der typische Bayer ist heimatverbunden, bodenständig und traditionsbewusst. Er gilt daneben als besonders naturverbunden, gesellig und zuverlässig, er ist gastfreundlich, hilfsbereit und sympathisch. Als besonders humorvoll gelten die Menschen, die in Oberfranken leben. Bei ihnen darf man auch auf große Hilfsbereitschaft bauen. Niederbayern hält man für besonders sparsam.

Sehr einprägsam schildert die ‹22› Bayernstudie im BR-Fernsehen die Begeisterung der Bayern für ihr Land.

In zwei Gruppen werden Trachten aus Oberbayern und Mittelfranken nachfolgend auf separaten Podesten dargestellt.

Oberbayern

Berchtesgaden ist heute eine Marktgemeinde im Bayerischen Regierungsbezirks Oberbayern. Die Jachenau liegt 80km südlich von München, zwischen Bad Tölz und Garmisch-Partenkirchen, in den Bayerischen Voralpen auf der Südseite der Benediktenwand (1801 m) und nahe am Walchensee. Als "die Jachenau" wird ein Wald- und Wiesental der Jachen bezeichnet, in dem die Gemeinde Jachenau liegt. Bayrischzell liegt im Mangfallgebirge zwischen dem Schliersee im Westen und Oberaudorf im Osten Oberbayerns.

Oberbayern
Abb. 27
Trachten (v.l.n.r.) aus Berchtesgaden,
Jachenau und Bayrisch Zell

Die Frau aus Berchtesgaden trägt einen flachen Hut mit Goldschnur und auf dunklem Wollrock eine weiße Schürze. Der Mann aus Jachenau hat einen spitzen Filzhut mit grüner Seidenschnur und Gamsbart auf dem Kopf. Unter seiner halblangen Wolljoppe mit grünem Aufschlag trägt er eine grüne Weste mit Metallknöpfen und zu halblangen Hosen ein Paar weißer Zwickelstrümpfe. Ein Hut mit Goldschnüren gehört auch zur Festtracht der Frau aus Bayrisch Zell. Über dem 'Geschnür' (Mieder mit Ketten und Anhängern) trägt sie ein farbiges Brusttuch und über dem weiten Rock eine Seidenschürze.

Die Berchtesgadener Tracht ist insbesondere als Festtagskleidung an Sonn- und Feiertagen ein verbreiteter Brauch. Die Berchtesgadener Trachtenvereine pflegen neben der originalen Tracht auch den Schuhplattler. Jachenau galt schon um 1810 als besonders selbstbewusst und konservativ. Die Tracht in diesem Gebirgstal zeigt noch die Züge des 18. Jahrhunderts. Zu den prächtigsten Trachten zählen in allen Trachtenlandschaften die Festtagstrachten. Festzeit als Freudenzeit spiegelt sich in der Kleidung der Menschen. Und so ist auch die Festtagstracht aus Bayerisch Zell in ihrem zurückhaltend strengen Habitus Ausdruck bodenständig geprägter Festlichkeit.

Mittelfränkisches Bayern

Die Region ‹23› "Franken" umfasst vor allem den östlichen Teil des historischen Herzogtums Franken. Dazu gehören die Bezirke Ober-, Unter- und Mittelfranken in Bayern und eine Gegend um Heilbronn in Baden-Württemberg. Die zwei größten Städte Frankens sind Nürnberg und Würzburg.

"Nürnberg ist heute eine kreisfreie Großstadt im Regierungsbezirk Mittelfranken des Freistaates Bayern. Sie ist die zweitgrößte Stadt Bayerns. Nürnberg liegt zu beiden Seiten der Pegnitz. Nördlich der Stadt liegt das fruchtbare Knoblauchsland, mit dem Nürnberg über ein großes Gemüseanbaugebiet von überregionaler Bedeutung verfügt, das vor allem für seinen Spargelanbau bekannt ist. Der auf gemeindefreiem Gebiet um Nürnberg befindliche Nürnberger Reichswald ist seit Jahrhunderten ein Lieferant von Holz."

Auf der Webseite eines ‹24› Fränkischen Biolandhofes findet sich folgende Einschätzung: "Die Franken gelten allgemein als reserviert und redefaul, schlecht gelaunt und Fremden gegenüber recht verschlossen. Diese Charakterisierungen dürften, wie so oft, Vorurteile sein. Um die Mentalität der Franken besser zu verstehen, sollte man zum Beispiel das folgende wissen: Einen Franken sollte man niemals einen Bayern nennen. Dies ist historisch begründet: Napoleon hat die Franken 1803 - ohne sie zu fragen - den Bayern zugeschlagen. Und die Bayern haben daraufhin alles mitgenommen, was nicht niet- und nagelfest war - auch ohne zu fragen." Deshalb gibt es bis in die Gegenwart gewisse Animositäten zwischen Nord- und Südbayern.

Mittelfranken
Abb. 28
Trachtenpaar aus der Gegend um Nürnberg

Zur Tracht der Frau gehören eine Pelzmütze mit Ohrenkappe und ein Regentuch, während der Mann zu einem breitrandigen Filzhut eine rote Weste und darüber einen Langrock trägt. Wenn die Redensart "Kleider machen Leute" stimmt, dann ist die dargestellte Tracht wohl dazu angetan, bei ihren Trägern Reserviertheit und Verschlossenheit zu vermuten.

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Baden

‹25› Baden war ehemals ein souveräner Staat und eine Monarchie. Heute sind die ehemals badischen Gebiete Teil von Baden-Württemberg innerhalb der Bundesrepublik Deutschland. Zentrale Landschaft Badens mit den meisten großen Städten ist die Oberrheinische Tiefebene.

Bis in die Gegenwart ist eine eigenständige badische Lebensart und regionale Identität zu beobachten, die sich vom ungeliebten Württemberg absetzt. Grundsätzlich geht mit Ethnizität wie auch mit Identitätsbildung eine Abgrenzung einher. Für Badener erfolgt sie nach wie vor bevorzugt gegenüber den Schwaben (in Württemberg). Der Wikipedia-Artikel über Baden zitiert dazu Rolf Rolli wie folgt: "Das Großherzogtum mit seiner liberalen Verfassung und einem liberalen Großherzog als Repräsentanten einer konstitutionellen Monarchie ließ Baden zum 'Musterländle' werden, ließ den Bürger an politischen Fragen teilhaben, schuf damit eine selbstbewusste Bürgerschaft mit Heimatverbundenheit, Identitätsbildung, Gemeinschaftssinn und auch Ethnizität als landesweit verwurzelte, geübte Tugenden und Eigenheiten."

Hornberg liegt im Gutachtal an der Schwarzwaldbahn. Der Ortsteil Reichenbach ist einer der drei Orte, aus denen der bekannte Bollenhut ursprünglich stammt. Hornberg ist vielen als die Stadt bekannt, auf welche die Redensart zurückgeht: "Das geht aus wie das Hornberger Schießen". Diese Wendung wird gebraucht, wenn eine Angelegenheit mit großem Getöse angekündigt wird, aber dann nichts dabei herauskommt und sie ergebnislos endet. Dem soll folgende Begebenheit zugrunde liegen:

In Hornberg hatte sich der Herzog Christoph von Württemberg angesagt. Er sollte mit Salut und allen Ehren empfangen werden. Als alles bereit war, näherte sich aus der Ferne eine große Staubwolke. Alle jubelten und die Kanonen donnerten, was das Zeug hielt. Doch die Staubwolke entpuppte sich nur als eine Postkutsche. Selbiges geschah dann, als ein Krämerkarren und noch einiges später eine Rinderherde auf die Stadt zukam. Der Ausguck hatte jedes Mal falschen Alarm gegeben, und alles Pulver war verschossen, als der Herzog endlich kam. Einige Hornberger versuchten dann, durch Brüllen den Kanonendonner nachzuahmen. So jedenfalls beschreibt ‹26› Wikipedia diese Geschichte.

Ein Bauernpaar aus Hornberg zeigt das folgende Bild (Abb. 29).

Baden
Abb. 29
Bauernpaar aus Hornberg und Mädchen vom Gutachtal

Als Kopfbedeckung trägt die Frau einen Strohhut mit Wollrosetten, ferner gehört ein Schnürmieder zu ihrer Tracht. Der Mann trägt unter dem Langrock ein rotes Brusttuch und eine grüne 'Hosenhebe'. Schaut man die Tracht dieses Paares an, dann mag man versucht sein, diesen Bürgern aus Hornberg in ihrem naiv biederen Aussehen die Vorkommnisse beim Salut für den Herzog zuzutrauen.

Das Mädchen aus Gutach hat einen 'Bollenhut' (mit roten Wollbällen) auf dem Kopf, dessen schwarzseidene Bänder sie unter dem Hals zur Schleife gebunden hat. Ein solcher Hut gilt als 'Markenzeichen' der Volkstrachten von Mädchen und Frauen in Baden, obgleich er eigentlich in der Umgebung von Gutach im Schwarzwald beheimatet ist.

Schwaben

Göppingen ist eine Stadt im heutigen Baden-Württemberg östlich von Stuttgart. Sie liegt im Vorland der Schwäbischen Alb. Ochsenhausen liegt an der Hauptroute der Oberschwäbischen Barockstraße. Die Geschichte Ochsenhausens ist eng mit der ehemaligen Benediktiner-Reichsabtei Ochsenhausen verbunden.

Die Mischung aus Fleiß, Intelligenz und Sparsamkeit zeichnet die Schwaben aus. Es sind an sich wertvolle Eigenschaften, die einen aber nicht immer und überall beliebt machen. Insbesondere wird den Schwaben ihre bis zum Geiz reichende Sparsamkeit angekreidet. Im Badischen stellt man den Schwabe oft als dumm und hinterwäldlerisch hin: "Schwobe schaffet, Badener denket." Dort wird der Schwabe sogar als listig und "hinterfotzig" angesehen, und das von Kindheit an. Mit dem alten Schwank "Vom Schwaben, der das Leberlein gefressen" hat man dort dem Schwaben schon früh Habsucht und Dickköpfigkeit zugeschrieben. Auch Pfiffigkeit und Derbheit werden einem Schwaben nachgesagt. "Schaffe, putze, spare", heißt angeblich die Losung.

Vergleicht man die Tracht der beiden Württemberger mit den positiv beschriebenen schwäbischen Eigenarten, dann entspricht die schlichte Gewandung einer Ausgehtracht in ihrer dezenten Farbgebung und dem kleidsamen Schnitt überzeugend einem Menschenschlag, der als arbeitsam, sauber und sparsam gilt.

Schaben
Abb. 30
Schwäbisches Trachtenpaar

Die Tracht der Frau mit spitzer Florhaube, Brusttuch und Ärmeljacke wird in der Gegend von Göppingen getragen, die des Mannes mit breitkrempigem Rundhut und grüner Weste unter grünem Rock in der Gegend um Ochsenhausen.

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Sonderausstellung Thüringen

Einführung

Die Kernaufgaben im Museum sind Sammeln, Bewahren, Forschen sowie Ausstellen und Vermitteln. Sie bilden die Grundlagen der Museumsarbeit. Für die ständige Sammlung des Hauses ist der Überblick über die verschiedenen Trachtenregionen in Deutschland der leitende Ausstellungsgedanke. Zusätzlich zu dieser ständigen Ausstellung werden in Sonderschauen Exponate ausgestellt und beschrieben, die die Trachtengebiete einer Region ins Auge nehmen und die auch Raum bieten für die Berücksichtigung unterschiedlicher Ausprägungen in einzelnen Trachtenorten. Unter diesen Gesichtspunkten gibt die Sonderschau der "Thüringer Trachten" in der inszenierten Darstellung der Etappen eines Lebensweges "Von der Wiege bis zur Bahre" einen vertieften Einblick in die Trachtenwelt der Trachtenregion Thüringen.

Sonderausstellung

Die Exponate zum Thema


Thüringer Trachten - von der Wiege bis zur Bahre -

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Sonderausstellung Schleswig-Holstein

Einführung

In dieser Sonderschau geht es einmal um die Ausstellung und Beschreibung von Trachten aus verschiedenen Trachtengebieten der Trachtenregion Holstein. Allerdings geht das Anliegen dieser Sonderausstellung über den Aspekt der reinen Trachtendarstellung hinaus. Anders als in einem realen Museum und als Spezialität dieses virtuellen Museums sind hier die Trachten keine Kleidungsstücke, die man Schaufensterpuppen oder Spielpuppen anziehen kann, sondern Teile von farbig gefassten, kleinen gedrechselten Holzfiguren, die den Charakter von Figurinen haben. Für diese spezielle Art der figürlichen Form bedarf es der besonderen Art der Präsentation. Die Zusammenführung dieser aus Holz gedrechselten Figuren mit gedrechselten Topiary Skulpturen und Kreiselbäumen stellt eine Präsentationsart vor, die die Möglichkeiten des Drechselns in Form eines skulpturalen Bildes in den Dienst der musealen Schau stellt. Eine weitere Besonderheit ist die Art der Vorlage, nach der die Trachtenfiguren gefertigt worden sind, nämlich weder Buch noch Postkarte noch Realmuseum, sondern Spendenmarken.

Trachten wie auf Spendenmarken

Die Exponate zum Thema


Trachten aus Schleswig-Hostein
- Spendenmarken als Kreativer Baustein für ein Drechselvorhaben -

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Sonderausstellung Polen

Einführung

Wie jedes wirkliche Museum bemüht sich auch dieses virtuelle Trachtenmuseum, Zeugnisse über die historische, soziokulturelle und auch die künstlerische Entwicklung des Menschen zu bewahren und zu zeigen. In dieser Sonderausstellung wird dem Besucher ein besonderes Zusammentreffen vor Augen geführt, nämlich die Überschneidung von Brauchtum aus dem Erzgebirge mit Polnischen Volkstrachten. Während in der Museumsabteilung "Pommern, Rügen, Mecklenburg, Brandenburg" neben anderen auch bäuerliche Sonntags-Trachten aus dem ehemals deutschen Lebus präsentiert werden, kommt auf dem Pyramidenleuchter die bäuerliche Arbeitstracht eines Weinbauern aus dem heute polnischen Lubusz zur Darstellung. Die Sonderausstellung führt also in das thematische Umfeld der ständigen Sammlung und zeigt mit dem Pyramidenleuchter ein Objekt, das wegen seiner Größe einen besonderen Raum erfordert. Es präsentiert Trachten aus dem benachbarten Polen in erzgebirgischer Tradition und macht so grenzüberschreitende Verbindungen zwischen benachbarten Trachtenregionen sichtbar.

Pyramidenleuchter

Die Exponate zum Thema


Ein etwas anderer Pyramidenleuchter
- Brauchtum aus Polen trifft auf Volkskunst aus dem Erzgebirge -

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AUSGANG

 

Hinweise

- im Aufbau -

Verabschiedung

Als Betreiber dieses virtuellen Museums danke ich für Ihren Besuch.
Ein wenig spöttelnd klang Ihre Frage, warum ich es das "Erste" genannt habe.
Mit drei Gegenfragen antworte ich:

  1. Kennen Sie etwa schon ein ähnliches Beispiel?
  2. Verdient es nicht auch besondere Wertschätzung?
  3. Möchten Sie vielleicht auch selbst ein Museum dieser Art kreieren?

 

Sie suchen den Kasten zur Aufnahme Ihrer Anregungen und Kritik? - Ganz einfach:
Senden Sie mir eine E-Mail über den Inhaber Peter Denker des "Grundstücks",
auf dem dieses Museum errichtet ist. Klicken Sie dazu einfach seinen "Briefkasten" an.

 

Sie haben den Museumsshop vermisst? - Hier benötigen wir keinen.
Denn um jemandem mit den hier gezeigte Exponaten eine Freude zu machen,
übermitteln Sie ihm doch einfach den Museums-Link

http://www.publicationes.de/verschiedenes/holzwelten/173-trachtenmuseum.html

als eine Art Geschenkgutschein für den freien Eintritt .

 

Und kommen Sie selbst auch bitte gern wieder einmal vorbei.
Sie können dann wieder Neues entdecken. Also:

    Auf Wiedersehen!

- oder nochmal ⇒ zurück zum Eingang des Museums?


QUELLEN und LINKS:

‹ 1› Spielzeugmuseum Neustadt, Trachtengruppensammlung:
www.spielzeugmuseum-neustadt.de/museum/trachtenpuppen.htm - zurück zu ‹1› -

‹ 2› Landesmuseum Bückeburg in www.schaumburgerland-tourismus.de/kultur/museen/
- zurück zu ‹2› -

‹ 3› Racinet, Auguste, Le Costume historique im TASCHEN-Verlag:
www.taschen.com/pages/de/catalogue/classics/all/44938/ - zurück zu ‹3› -

‹ 4› Bruhn, Wolfgang und Tilke, Max, Kostümgeschichte in Bildern,
Tübingen; Verlag Ernst Wasmuth, 1973 (Neuauflage), ISBN 3922383661 - zurück zu ‹4› -

‹ 5› Wikipedia Schleswig-Holsteiner Trachten: http://de.wikipedia.org/wiki/Schleswig-Holsteiner_Trachten,
- zurück zu ‹5› -

‹ 6a› Kaiser, Johannes, " Einbesonderer Menschenschlag", Rezension zu ‹6b›: www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/433516/
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‹ 6b› Teschke, Holger und Bartel, Karsten, "RÜGEN - Jahreszeiten einer Insel": Gustav Kiepenheuer Verlag Berlin 2005, ISBN 3-378-01074-6
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‹ 7› Wikipedia, Hinterpommern: http://de.wikipedia.org/wiki/Hinterpommern
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‹ 8› Schumann, H.J., "Der Pommer": Gedicht auf www.plm-wermelskirchen.de/DerPommer.html
- zurück zu ‹8› -

‹ 9› Gnauck, Gerhard in Die WELT, Artikel vom 24.02.2012: www.welt.de/debatte/kommentare/article13944102/Mecklenburg-das-Land-der-Stillen-und-Starken.html
- zurück zu ‹9› -

‹10› Umzugsratgeber, Die Menschen in Brandenburg: www.markt.de/contentId,umzug-ratgeber-hilfe-beim-umzug-in-brandenburg-und-charakter-der-brandenburger/inhalt.htm
- zurück zu ‹10› -

‹11› Wikipedia, Vierlande: http://de.wikipedia.org/wiki/Vierlande
- zurück zu ‹11› -

‹12› Wikipedia, Hanseat: http://de.wikipedia.org/wiki/Hanseat
- zurück zu ‹12› -

‹13› Niedersachsen-Portal, Land und Leute: www.niedersachsen.de/land_leute/menschen/19875.html
- zurück zu ‹13› -

‹14› Wikipedia, Gifhorn: http://de.wikipedia.org/wiki/Gifhorn
- zurück zu ‹14› -

‹15› Wikipedia, Ackerbürger: http://de.wikipedia.org/wiki/Ackerbürger
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‹16› Fischerchöre, Westfalenlied (Text und Melodie): www.youtube.com/watch?v=drr2hma5YqU
- zurück zu ‹16› -

‹17› Lippe marketing, "Typisch lippisch": www.land-des-hermann.de/tourismus-freizeit/typisch-lippisch.html
- zurück zu ‹17› -

‹18› Landesverband Lippe, Lippische Anekdoten: www.landesverband-lippe.de/index.php?id=154
- zurück zu ‹18› -

‹19› CAMBIO Relocation, "Der Hesse": www.cambio-relocation.de/cambio_derhesse.html
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‹20› Sachsen-Portal, Sorben: www.sorben.sachsen.de/2883.html
- zurück zu ‹20› -

‹21› Wikipedia, Schlesien: http://de.wikipedia.org/wiki/Schlesien
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‹22› BR-Fernsehen, BR-Bayernstudie: www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/schwaben-und-altbayern/Ansichtssache-Mitteilung100.html
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‹23› Wikipedia, Franken: http://de.wikipedia.org/wiki/Franken_(Region)
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‹24› Bioland Hof Röttenbacher, Typisch Fränkisch: www.biohans.de/wissenswertes
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‹25› Wikipedia, Baden (Land): http://de.wikipedia.org/wiki/Baden_(Land)
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‹26› Wikipedia, Hornberger Schießen: http://de.wikipedia.org/wiki/Hornberger_Schießen
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‹27› Bindmann, Magdalena, Thüringer Volkstrachten zwischen Rhön und Altenburger Land, Wartburg Verlag GmbH, 1993, S.10.
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‹28› Stübs, Helga, Trautmann-Webeler, Gisela und Borst, Harald, "Bauern und Bürger, Rechte und Pflichten der Bauern" in "MODE, Kleidung als Bedeutungsträger", Materialien für den Sekundarbereich II, Arbeitstexte für den Kunstunterricht,Schroedel Schulbuchverlag GmbH, Hannover, 1991, S.29 bzw. 66 f.
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‹29› Rüdiger, Karl Santons de Provence: www.publicationes.de/verschiedenes/holzwelten/145-santons.html
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