Aufstellungsumgebungen für Monatsfiguren von Karl Rüdiger

 

Armillarspäre, Bauernjahr, Himmelsmechanik und Sternzeichen als Kreativbausteine

 

Der vorige Aufsatz ‹1› "Monatsfiguren" beschreibt den Entstehungsprozess solcher Figuren in Anlehnung an Deckenbilder im frühbarocken Festsaal des Klosters Benediktbeuern. Während die dort gezeigten Figuren farbig angelegt sind, werden nachfolgend ähnliche, ebenfalls an den Deckengemälden in Benediktbeuern orientierte Monatsfiguren aus naturbelassenem Holz in einer ringförmigen Anordnung (Ringkugel) vorgestellt. Für die im vorigen Aufsatz beschriebenen farbig gefassten Monatsfiguren ist inzwischen eine neue, ebenfalls ringförmige Aufstellumgebung entstanden, um deren Darstellung dieser Aufsatz ergänzt wird, der zunächst unter dem Titel "Gedrechselte Monatsfiguren auf einer 'Rinmgkugel'" erschienen ist.

Aufstellung der farbigen Monatsfiguren

Abb. 1
Kreisbogenförmige Aufstellung der Monatsfiguren

Dieses Tableau gedrechselter Monatsfiguren war bisher in der Sammlung des Autors ‹2› "Kleine Welten in Holz" in einem Kreisbogen aufgestellt. Dabei zeigt sich jede Figur dem Betrachter in nahezu frontaler Ansicht.

Modelle für eine kreisförmige Aufstellung

Um dem zyklischen Charakter der ständigen Wiederkehr der Monatsfolge Ausdruck zu geben, ist eine ringförmige Aufstellung eine dem Zyklus angemessenere Präsentationsform. Die kleinen, im vorigen Aufsatz nur beiläufig erwähnten Medaillons am oberen Rand der Monatsbilder in Benediktbeuern stellen den Bezug zwischen den einzelnen Monaten und den zugehörigen ‹A› Sternbildern im ‹B› Tierkreis dar.

Für die Einbeziehung des "Tierkreises" und der "Ringform" in das Gestaltungsvorhaben von Monatsfiguren hat der Autor eine ‹C› Armilllarspäre als Kreativbaustein und Ausgangsbasis für die Aufstellungsumgebung der beiden Monatsfigurensätze ausgewählt.

Abb. 2
Ptolomäische Armillarsphäre
von Christian Carl Schindler, 1680 - 1716
(Bild von www.dorotheum.com)

Beim Nachbau dieser Armillarsphäre - auch Ringkugel genannt - bietet der als Ring ausgebildete waagerechte Horizont eine genügend breite Aufstellfläche für Monatsfiguren. Der schräg gestellte Ring, der die ‹D› Ekliptik darstellt, wird zur Anbringung der astronomischen Tierkreiszeichen genutzt.

Abb. 3
Nachbau einer Ringkugel

Im Nachbau der Ringkugel (Abb. 3) sind auf dem Ekliptik-Ring die Tierkreiszeichen Steinbock, Wassermann und Fische im linken oberen, über dem Horizont sichtbaren Quadranten zu erkennen.

Indem die zunächst beabsichtigte Aufstellung der ersten Serie von Monatsfiguren auf dem Äquatorring dieser Ringkugel einen in den Größenbeziehungen und Farben unharmonischen Eindruck vermittelt, hat sich der Autor entschlossen, eine neue Serie von Monatsfiguren zu drechseln. Sie sind in der Form kleiner und der Ringkugel auch farblich angepasst, indem das Holz der Figuren nicht farblich gefasst sondern naturbelassen geblieben ist. Die so erzielte Schlichtheit und die stimmigen Proportionen verdeutlicht Abb. 4.

Abb. 4
Ringkugel mit den neu gedrechselten Monatsfiguren

Außer dieser neuen Figurenserie hat der Autor auch für die farbig gefassten Monatsfiguren eine neue Aufstellungsumgebung geschaffen, die im Anschluss an die neuen Monatsfiguren ebenfalls vorgestellt wird.

Neue Monatsfiguren und zugehörige Tierkreiszeichen

1. Quartal

 

Abb. 5
Monatsfiguren unter den Tierkreiszeichen
für Januar / Steinbock, Februar / Wassermann und März / Fische

Die Monatsfigur für den Januar ist ein Herr von Stand. Als Tierkreiszeichen für den Januar gilt der Steinbock. Das Symbol zeigt eine grafische Kombination aus den Hörnern des Steinbocks und einem sich ringelnden Fischschwanz.

Als Gitarre spielender Faschingsnarr und mit einer farbigen Feder präsentiert sich die Monatsfigur des Februar. Wie das Holz ist auch diese Feder naturbelassen, zwar farbig aber nicht gefärbt. Das Symbol für den Wassermann zeigt zwei Wellenlinien.

Die Monatsfigur für den März ist ein Falkner mit einem Falken und zwei Hunden .Das Tierkreiszeichen für den März sind Fische. Ihr Symbol ist eine Stilisierung, bei der die beiden senkrechten Linien die Fische darstellen und die waagrechte Linie eine verbindende Schnur.

 

2. Quartal

 

Abb. 6
Monatsfiguren unter den Tierkreiszeichen
April / Widder, Mai / Stier und Juni / Zwillinge

Ein Schalmei spielender Hirte und eine vor im sitzende junge Frau mit Spinnrocken und einer kleinen Geiß bilden zusammen als Gruppe die Monatsfigur für den April. Das zugehörige Tierkreiszeichen ist der Widder. Das V-Symbol ist die Stilisierung eines von vorne gesehenen Widderkopfs mit den beiden gekrümmten Hörnern.

Ein Kavalier mit Laute und farbigem Rosenkranz repräsentiert als Monatsfigur den Mai. Das zugehörige Tierkreiszeichen ist der Stier. Seit der Antike wird das Symbol 'Kreis mit aufgesetztem Hörnerpaar' als die Stilisierung eines von vorne gesehenen Stierkopfs mit zum Angriff gesenkten Hörnern dargestellt.

Ein Fischer ist die Referenzfigur für den Monat Juni. Das zugehörige Tierkreiszeichen sind Zwillinge. Der Ursprung dieses Symbols ist unklar. Es kann sich um eine Stilisierung des Sternbildes handeln oder auch um das römische Zahlzeichen II, das dann für die beiden Zwillingssterne Castor und Pollux steht.

 

3. Quartal

 

Monatsfiguren unter den Tierkreiszeichen
Juli / Krebs, August / Löwe und September / Jungfrau

Ein Schnitter mit Sense und Krug steht für die Monatsfigur Juli. Das Tierkreiszeichen für den Juli ist der Krebs. Der Ursprung des Symbols ist unklar. Man nimmt an, die beiden Teile seien die in unterschiedlicher Richtung aneinandergelegten Scheren des Krebses.

Die Monatsfigur im August ist eine Schnitterin, das Tierkreiszeichen der Löwe. Das Symbol zeigt einen stilisierten Löwenkopf als Kreis mit daran in Form einer geschwungenen Linie angedeuteten Mähne.

Ein Vogelsteller mit gefangenen Vögeln, Vogelkäfig und einem kleinen Hund steht für die Monatsfigur September. Das Tierkreiszeichen für diesen Monat heißt Jungfrau. Ursprung und Interpretation auch dieses Symbols sind unklar. Auffällig ist die Ähnlichkeit mit dem Symbol des Skorpions. Eine mögliche Erklärung ist, dass es sich um eine alte Form des Buchstabens "m" handelt, was sich auf die besondere medizinische Bedeutung des Zeichens beziehen soll. Zur Unterscheidung wurde beim Skorpion dann ein Stachel angefügt und bei der Jungfrau eine geschwungene Linie, die eine Kornähre symbolisieren soll.

 

4. Quartal

 

Abb. 8
Monatsfiguren unter den Tierkreiszeichen
Oktober / Waage, November / Skorpion und Dezember / Schütze

Einen Kellermeister mit einem Weinglas in der Hand stellt die Monatsfigur für den Oktober dar. Das zugehörige Tierkreiszeichen ist die Waage. Dargestellt wird das Zeichen als einfache Waage mit zwei durch einen Waagbalken verbundenen Waagschalen. Das Symbol ist eine Stilisierung des Sternbilds.

Im November wird ein Bauer mit zwei Gänsen als Monatsfigur dargestellt. Das Tierkreiszeichen den Monats November ist der Skorpion. Ursprung und Interpretation des Symbols sind unklar. Auffällig ist die Ähnlichkeit mit dem Symbol der Jungfrau. Eine mögliche Erklärung ist bei der Beschreibung des Symbols Jungfrau nachzulesen.

Mit Schlachtschüssel und Bierkrug kommt ein Wirt als Monatsfigur Dezember daher, der unter dem Tierkreiszeichen Schütze steht. Das Symbol zeigt einen stilisierten Bogen, auf dem ein Pfeil liegt.

Die Armillarsphäre - heute

Eine Armillarsphäre wie die von Chr. C. Schindler, besteht aus mehreren, gegeneinander drehbaren Ringen, die insgesamt die Form einer Kugel bilden. Dieses Gebilde ist in der Regel in einem Gestell montiert. Nach der Einführung des Teleskops in die Astronomie (durch Gallileo Gallilei zu Beginn des 17. Jahrhunderts) trat die Armillarsphäre als Beobachtungsinstrument aufgrund ihrer Bauweise immer mehr in den Hintergrund. In den folgenden Jahrhunderten wurde die Armillarsphäre zu einem Gegenstand künstlerischer Darstellung und zu einem reinen Symbol der Astronomie. Derartige Modelle sind nicht mehr funktionsfähig.

Abb. 9
Eine zum "Windspiel" verfremdete Armillarsphäre
(Quelle: www.besaru24.de)

Armillarsphären wie die in Abb. 9 dargestellte werden heute beispielsweise als Dekorationsobjekte gefertigt und vertrieben. Sie sind auf einige gegeneinander bewegliche Ringen reduziert, die bei unterschiedlichen Stellungen nur noch zufällig Kugelgestalt annehmen. Will man bei diesen Objekten noch einen Bezug zur Astronomie herstellen, dann kann man die Ringe im Sinne der Himmelsmechanik - einem Sondergebiet der Astronomie - als Andeutungen von Planetenbahnen interpretieren.

Diese Betrachtungsweise motivierte den Autor dazu, eine derartige Himmelsmechanik als Kreativbaustein für eine Aufstellungumgebung der farbig gefassten Monatsfiguren zu kreieren.

Abb. 10
Aufstellungsumgebung in Elementen der Himmelsmechanik für die farbig gefassten Monatsfiguren;
Aufsicht schräg von oben

Diese Aufstellungsumgebung ist reduziert auf wenige charakteristische Elemente: Eine kreisrunde Grundplatte trägt die ganze Konstruktion. Vier kleine Säulen, die jeweils mit Basis und Kapitell abschließen, tragen als waagerechten Ring den Himmelsäquator. Senkrecht zu diesem steht der Himmelsmeridian. Die kleine Kugel in der Mitte der Kreisbahnen stellt die Erde dar, umgeben von der schräg gestellten Ekliptik und der Mondumlaufbahn. Die Reduktion dieser Konstruktion beschränkt sich also auf die wichtigsten Bezugskreise im astronomischen Koordinatensystem.

Die Aufstellung der Figuren und Anordnung der Sternzeichen ist (von oben betrachtet) im Uhrzeigersinn vorgenommen, damit bei der Drehung der Grundplatte im Gegenuhrzeigersinn - entsprechend der Himmelsmechanik - die Monate in der zutreffenden Reihenfolge vor dem Beobachter erscheinen. In den statischen Fotos erscheinen die Monate daher von rechts nach links fortlaufend angeordnet.

Abb. 11
Aufstellungsumgebung Himmelsmechanik:
Februar, März, April

Der auf Abbildung 11 dem Betrachter zugewandte Sektor auf dem Himmelsäquator zeigt in diesem Bereich die Monatsfiguren für Februar, März und April - wie oben erläutert von rechts nach links. Unter den Figuren sind auf der Grundplatte die den Monaten zugehörenden Sternzeichen Wassermann, Fische und Widder angebracht.

Die Kugeln um den Mittelkreis entsprechen in etwa der Größe der Planeten des Sonnensystems. Von rechts nach links sind das auf der Abbildung 11 Jupiter, Mars, Venus, Merkur und dahinter gerade noch Pluto zu sehen.

Ganz analog erschließen sich die Deutungen der Aufstellungsumgebung in den Abbildungen 12a-c für die ihnen zugeordneten Monate.

Abb.12a
November, Dezember, Januar
Abb. 12b
Mai, Juni, Juli (v.r.n.l.)
Abb. 12c
August, September, Oktober (v.r.n.l.)

Rückblick

In der Verbindung von Monatsfiguren mit der Ringkugel ist unter den Händen eines Drechslers ein Ensemble entstanden, das losgelöst von jeder astronomischen Zweckbindung ‹E› die Zeit, die Tag und Jahre macht veranschaulicht. Die "Ringkugel" ist aus Sicht des Autors wieder ein besonders eindrucksvolles Beispiel dafür, Anregungen zum drechslerischen Gestalten zu finden und diese zu kreativen Bausteinen weiter zu entwickeln. Es möge - wie schon die übrigen in publicationes.de vorgestellten Beschreibungen Leser anregen, selbst kreative Bausteine zu finden und dadurch die eigene Originalität zu fördern. Die Freude an der Verwirklichung von Gestaltungsideen wird den dazu inspirierten Lesern wie dem Autor selbst einen immateriellen und schönen Lohn bescheren, an dem es sonst in unserer auf materielle Gewinnoptimierung fixierten Welt bisweilen fehlt. Wahre Zufriedenheit kommt bekanntlich nicht aus dem Besitz, sondern aus Kreativität, die Gestalt angenommen hat.

Mit der Hinzunahme der Tierkreiszeichen in die Darstellung und der Änderung von der Kreisbogenaufstellung in die Kreisform hat sich der Aufstellungskontext der farbig gefassten Figuren verändert. Die dadurch definierte Einbettung in einen funktionalen Kontext ist so deutlicher in räumliche und visuelle Bezüge eingebracht. Der Betrachter kann so die zeitlichen und räumlichen Abläufe der Monatsfolge besser erkennen. Dabei ist auch das "schwarze Licht" (Henri Matisse) dieser Aufstellumgebung bedeutsam, denn Schwarz steht für die Zeit, die sich "hart, unbarmherzig und irrational" *) vollendet. Die Unfarbe symbolisiert nämlich auch die unerschütterlichen Konsequenz, mit der sich die zyklische Aufeinanderfolge der Tage, Monate, Jahre und der Lauf der Gestirne wiederholt.

*) zitiert von S.52 in LEXIKON DER TRADITIONELLEN SYMBOLE ©VEB E.A. Seemann Verl.Leipzig 1986

Handwerkliche Details

Einzelheiten der in Abb. 1 dargestellten erste Serie von Monatsfiguren sind im ‹1› vorigen Aufsatz beschriebenen.

Das in sich unbewegliche Modell einer Armillarsphäre ist aus Kirschbaumholz gefertigt, die Breitengrade sind aus Peddigrohr gebeizt.

Die Monatsfiguren der 2. Fassung sind vollständig aus Ahornholz gedrechselt. Die Oberfläche des naturbelassenen Holzes ist nur mit Danish Oil behandelt und abschließend mit Clou Seidenmatt versiegelt.

Außerdem kamen die folgende Materialien zur Anwendung: Sperrholz gesägt, gespalten und gebeizt, naturbelassene Federn, farbige Holzperlen, Verbandsgaze, Draht, Bindfaden und Leinen.

Die Aufstellungsumgebung der Himmelsmechanik ist aus Leimholz gefertigt, das mit schwarzem Holzlack Hochglänzend lackiert wurde.

Die Säulchen sind aus Platanenholz gedrechselt, gewachst und abschließend mit Clou Holzlack glänzend versiegelt.

Für die gedrechselten Planeten-Kugeln wurde als Holz Boirè, Pink Ivory, Esche, Pflaume, Zeder, Rosenholz, Kirsche, Paduk und Walnuss verwendet. Für die Erdkugel wurde ein gestocktes Holz unbekannter Herkunft verwendet.

Die Tierkreiszeichen wurden aus Sperrholz (1 mm Stärke) ausgesägt.

Die Grundplatte ist auf der Unterseite mit einer Filzplatte als Stellschutz für die Ablagefläche ausgestattet.

 


 

Erläuterungen

‹A› Sternbild nennt man eine Gruppe von etwa 5 bis 20 einzelnen hellen Sternen am Himmel, deren Zusammenschau einer mythologischen Figur, einem Tier oder einem Gegenstand ähnelt und danach benannt ist. ‹3› Sternbilder stellen sich nur subjektiv für den Beobachter dar. Die Sterne der meisten Sternbilder sind weit voneinander entfernt. Der gegenteilige Eindruck, dass die Sterne eines Sternbilds am Himmel nahe beieinander liegen, beruht darauf, dass ihr Abbild im Auge - wie auch im Fotoapparat - mit gleicher Scharfstellung auf ‚unendlich' entsteht. In ihrer beobachtbaren Ausdehnung sind die Sternbilder klar umgrenzt. Sie dienten in der Vergangenheit der Kartierung des Himmels und erleichtern heute noch die Orientierung am Sternenhimmel.

Seit 1922 werden 88 von der IAU (Internationale Astronomische Union) offiziell anerkannte Sternbilder verwendet, deren Grenzlinien 1928 von der IAU definiert wurden.

Sternbilder mit menschenähnlichem Umriss tragen einprägsame Namen wie z.B. Orion (Abb. 13).

Abb. 13
Sternbild "Orion"

Trotz ihrer inzwischen relativ geringen Bedeutung haben Sternbilder bis heute nichts von ihrer Faszination auf den Betrachter eines dunklen Sternenhimmels verloren. Deswegen interessieren sich viele Menschen für die Astronomie.

ZURÜCK zum Verweis auf ‹A› im Kerntext

 

‹B› Als Tierkreis Tierkreis wird eine ringförmige Zone am Sternenhimmel bezeichnet, deren Mittellinie die ‹D› Ekliptik bildet und innerhalb derselben die scheinbaren Bahnen von Sonne, Mond und Planeten verlaufen. In dieser Zonen befinden sich zwölf deutlich ausgeprägte Sternbilder, deren Mehrzahl schon seit babylonischer und altägyptischer Zeit Tiernamen trägt. Daher rührt der Name "Tierkreis".

Der von der Erde aus beobachtbare Stand der Sonne hat von Monat zu Monat ein anderes Tierkreisbild als Hintergrund, so dass Monate und Tierkreisbilder einander mit nur geringer Verschiebung zugeordnet werden können.

Zur sprachübergreifenden Kennzeichnung der 12 Sternbilder im Tierkreis hat man im Laufe der Zeit außer ihren Namen Symbole definiert, die man ‹4› Tierkreiszeichen nennt. Diese Symbole werden gegenwärtig vor allem in der Astrologie und auf Zierrat verwendet.

Der Tierkreis gilt in der christlichen Symbolik als Sinnbild für die Weisheit und Allmacht Gottes. Deswegen finden sich Darstellungen des Tierkreises an vielen Fassaden mittelalterlicher Kirchen, in Kalendarien, Gebets- und Andachtsbüchern und auf Fußbodenmosaiken.

Die Ausmalung der Deckengewölbe im Mittelschiff der romanischen Kirche St. Peter und Paul in Wormbach aus dem 13. Jahrhundert ist ein besonders sehenswertes, weil in der europäischen Kirchenmalerei in dieser Art seltenes Beispiel dafür (Abb. 14).

Abb. 14
Deckengewölbe mit Tierkreiszeichen in der Peter und Paul - Kirche Wormbach
(Quelle: www.schmallenberger-sauerland.de)

Auch bis in die jüngere Zeit finden sich an Kirchen Reliefs mit Darstellungen von Tierkreisbildern und Monatsfiguren, so beispielsweise am Veitsdom in Prag am Bronzetor, das der Künstler Jaroslav Horejc 1955 geschaffen hat. Ein ‹5› Picasa-Webalbum zeigt diese Prager Monatsfiguren in Fotografien von Peter Denker.

Es ist reizvoll, die vom Autor vorgelegten Monatsfiguren nach Kessler in Benediktbeuern mit denen von Horejc zu vergleichen. Dabei fällt an den Darstellungen die verblüffende geistige Verwandtschaft auf, die bis in personelle und inhaltliche Details festzustellen sind. Das wird beispielsweise in der Gegenüberstellung der folgenden drei Abbildung (11a-c) deutlich.

Abb. 15a
Kessler (Löwe)
Abb. 15b
Rüdiger (Juli)
Abb. 15c
Horejc (Löwe)

Das Löwe-Erntebild von Kessler (Abb. 15a), die Juli-Monatsfigur des Autors (Abb. 15b) und das Löwe-Bronzerelief von Horejc (Abb. 15c) zeigen übereinstimmend den Schnitter mit Sense und Krug. Kessler und Horejc haben ein Hockenfeld als Hintergrund gewählt. Dass bei Kessler die Heuernte, bei Horejc die Getreideernte dargestellt wird, ist im Hinblick auf die Motiveinheit belanglos; ebenso, dass bei Kessler auch das Motiv des Dengelns unter dem Sternbild Löwe mit dargestellt wird, während Horejc dem Dengeln eine eigene Szene unter dem Sternbild Krebs widmet. Als Bildmotiv erscheinen sie jedenfalls bei beiden Künstlern.

Zwischen der Entstehung der Sternzeichenbilder von Kessler und Horejc liegen mehr als 300 Jahre und zwischen Kesslers Sternzeichenbildern und den Monatsfiguren des Autors beinahe 400 Jahre. Die Thematik verdient also das Attribut ‚zeitlos'.

ZURÜCK zum Absatzanfang ‹B›, zum Verweis auf ‹B› im Kerntext bzw. zum Verweis auf ‹B› in den Erläuterungen

 

‹C› Das Wort Armillarsphäre ist aus den lateinischen Bestandteilen armillaris (Reifen/Ring) und sphaera (Kugel) zusammengesetzt und seit dem Mittelalter zu "Ringkugel" eingedeutscht. Damit ist ein astronomisches Gerät bezeichnet, das schon im Altertum und im Mittelalter dazu diente, die Himmelskugel und die Bewegung von Himmelskörpern zu veranschaulichen und Sternorte zu bestimmen. Das Gerät besteht aus mehreren Ringen, die insgesamt die Form einer Kugel bilden. Es ist in der Regel in einem Gestell auf einem Ständer montiert. Im Zentrum der Armillarsphäre befindet sich die Erdkugel. Ein gedachter Beobachter befände sich innerhalb der Armillarsphäre im Mittelpunkt dieser Kugel. Die inneren Ringe lassen sich bei funktionsfähigen Armillarsphären so einstellen, dass der waagerechte Ring den aktuellen Horizont eines Beobachters repräsentiert. In der vom Autor nachgebauten Ringkugel sind alle Ringe unbeweglich.

ZURÜCK zum Verweis auf ‹C› im Kerntext.

 

‹D› Ekliptik nannten die Griechen die Mittellinie des ‹B› Tierkreises, weil in ihr die Eklipsen, die Sonnen- und Mondfinsternisse, stattfinden. Die Ekliptik beschreibt mit ihrer Neigung von 23° den Verlauf der Sonne gegenüber dem Himmelsäquator, d.i. der Schnitt der irdischen Äquatorebene mit der Himmelskugel.

Abb. 16 veranschaulicht die Lage der Ekliptik und die Positionen der Sternbilder auf ihr durch deren Tierkreiszeichen.

Abb. 16
Ekliptik mit Tierkreiszeichen
(Abb. von Wikimedia)

 

ZURÜCK zum Verweis auf ‹D› im Kerntext bzw. zum Verweis auf ‹D› in den Erläuterungen

 

‹E› Die sprachliche Wendung "Die Zeit, die Tag und Jahre macht" geht zurück auf den Titel einer Kantate von J. S. Bach, BWV 134a mit dem Text von Christian Friedrich Hunold 1719. Die Kantate wurde als Glückwunschkantate zu Neujahr 1719 für den Hof von Leopold von Anhalt-Köthen komponiert.

 

ZURÜCK zum Verweis auf ‹E› im Kerntext


 

LINKS:

‹1› K. Rüdiger, "Monatsfiguren": www.publicationes.de/verschiedenes/holzwelten/180-monatsfiguren.html
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‹2› K. Rüdiger, "Kleine Welten in Holz": www.kleine-welten-in-holz.de
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‹3› Wikipedia, "Sternbilder": http://de.wikipedia.org/wiki/Sternbilder
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‹4› Wikipedia, "Die zwölf Tierkreiszeichen des Zodiaks": http://de.wikipedia.org/wiki/Tierkreiszeichen
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‹5› P. Denker, "Das Tierkreis-Bronztor am Veitsdom zu Prag" (Picasa-Webalbum):
https://picasaweb.google.com/112524797339134976477/PragerTierkreisSkulpturen
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Mit dieser

Veröffentlichung

am 1.2.2014

gratuliert

der Traumtänzer

dem Paradiesvogel

zur Vollendung des

82. Lebensjahres.

 


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