Bedeutung von Weihnachten

Ursprung und Sinn des Weihnachtsfestes

Ungefähr ein Viertel Jahr lang steigern sich vorweihnachtliche Aktivitäten mehr und mehr. Werbung in Geschäften und auf Straßen, in Zeitungen, Broschüren, im Fernsehen und Radio: Als ob Weihnachten sich darin erschöpfte, mit Geschenk- und Saisonartikeln zu handeln, oder in anderen Äußerlichkeiten. Was hat das Angebot des Weihnachts-Sortiments bei Discountern ab September noch mit Weihnachten zu tun? So entsteht jedenfalls der Eindruck, vielen Menschen sei das Bewusstsein für den Sinn und die Bedeutung von Weihnachten verloren gegangen. Dem können folgende Gedanken womöglich entgegen wirken.

Bibelberichte über die Geburt von Jesus

In Neuen Testament finden sich nur bei Matthäus und Lukas Berichte über die Geburt von Jesus:

Matthäus hebt (in Mat. 1, 18-25) hervor, dass Josef nicht der leibliche Vater Jesu war und dennoch seine Mutter Maria und ihn bei sich aufnimmt, weil ihm das von einem Engel so nahegelegt war, der ihm sagte, dass der heilige Geist - also Gott selbst - der Vater des Kindes sei. Ein Engel ist es auch, der Josef bestimmt, mit den beiden nach Ägypten zu fliehen, um dem Kindermord des um seine Macht bangenden Herodes zu entkommen. Zuvor haben die vom hellen Stern geleiteten Weisen aus dem Morgenland in Bethlehem Jesus ihre Reverenz erwiesen und den Versuch ihrer listigen Vereinnahmung durch Herodes vereitelt, der danach aus Angst um seine Macht alle Neugeborenen der Region hat töten lassen.

Lukas beschreibt den geschichtlichen Hintergrund und den schon durch Prophezeiung bestimmten Ort der Geburt Jesu (in Luk. 2, 1-7), nämlich die Volkszählung unter Kaiser Augustus und den Ort Bethlehem. Bei Lukas ist auch zu lesen, dass Jesus "gewickelt in eine Krippe gelegt" wurde, weil "sich in der Herberge kein Platz" fand. Er ist es auch, der von der wunderbaren Verkündigung der Geburt des Heilands durch Engel an die Hirten auf dem Felde berichtet, die daraufhin Jesus aufsuchen und anbeten (Luk. 2,7-20). Lukas ist der einzige Evangelist, der danach auch über die Darstellung Jesu im Tempel und über seine Beschneidung berichtet (Luk. 2, 21 -40), die acht Tage nach seiner Geburt erfolgt ist.

Gerda Dittmann 'Heilige Familie' - Acryl auf Leinwand, Foto: Peter Denker

Gerda Dittmann 'Heilige Familie' - Acryl auf Leinwand,
Foto: Peter Denker

Entstehung von "Weihnachten"

Die Festlegung der Feiertage des 25./26. Dezember hat mit dem 25. März als (ungefährem) Datum des Frühlingsanfangs (Tag- und Nacht-Gleiche) zu tun, dem schon in vorchristlicher Zeit die symbolische Bedeutung allen Neuanfangs der Schöpfung zukommt. Dazu passt es, auch den christlichen Neubeginn als Zeugung Jesu durch den heiligen Geist damit zu verbinden. Und das in Rom Ende des 3. Jahrhunderts von Kaiser Aurelian auf den 25.12. datierte Sonnenfest wurde 70 Jahre später vom römischen Bischof zum Geburtsfest Christi umfunktioniert - als Ausdruck für die Christianisierung des Römischen Reiches. Seither hat sich dieses Fest relativ schnell fast über die ganze christliche Welt (mit Ausnahme Armeniens) ausgebreitet. Der Name "Weihnachten" ist wahrscheinlich vorchristlichen Ursprungs; er geht auf die mittelhochdeutsche Bezeichnung der "geweihten Nächte" um die Wintersonnenwende zurück.

Bedeutung von "Weihnachten"

Wer an Jesus Christus als den Messias, den verheißenen Erlöser und Sohn des lebendigen Gottes, der damit seine Liebe zu den Menschen erkennbar gemacht hat, glaubt, der hat wahrhaftig Grund zu inniger und großer Freude: Ohne die Geburt von Jesus Christus hätten wir von Gott nur die alttestamentlichen Verkündigungen und Gebote und überkommenen blutigen Opfer im Tempel. Ohne Christus wäre Gott den Menschen unnahbar fern geblieben. Ohne ihn fehlten uns seine Predigten und Gleichnisse, das zentrale Gebot der Nächstenliebe, ohne ihn gäbe es nicht das neue unblutige Opfer des [1] Abendmals, nicht die Erlösungstat des [2] Karfreitags, nicht die verheißungsvolle [3] Auferstehung an Ostern, nicht die Hoffnung spendende [4] Himmelfahrt und nicht die Kraft verleihende Aussendung des Heiligen Geistes an [5] Pfingsten. Die Geburt des Menschensohnes ist der Ausgangspunkt und die notwendige Voraussetzung für diese Heilstaten, mit der Gott den Menschen seine grenzenlose Liebe offenbart. Die Freude darüber verbindet die Christenheit zu einer großen Gemeinschaft. Darum feiert die Kirche Weihnachten - wie Ostern und Pfingsten - auch als zweitägiges Fest. Was aber bedeutet die derart personifizierte Liebe Gottes für den einzelnen Christen?

Bedeutung der Liebe Gottes für den einzelnen Gläubigen

Paul Gerhardt hat 1653 das Weihnachtslied geschrieben "Ich steh‘ an deiner Krippe hier", dessen zweite Strophe lautet:

    Da ich noch nicht geboren war,
    Da bist du mir geboren
    Und hast mich dir zu eigen gar,
    Eh ich dich kannt, erkoren.
    Eh ich durch deine Hand gemacht,
    Da hast du schon bei dir bedacht,
    Wie du mein wolltest werden.

Es verdeutlicht, dass die Geburt von Jesus Christus für den gläubigen Christen von zentraler Bedeutung für sein Selbstverständnis ist. Gottes Liebe zu den Menschen erwartet die Antwort des gläubigen Herzens. Die Liebe der Menschen drückt sich beispielsweise in dem Satz aus: "Du musst da sein, denn sonst fehlte mir etwas ganz Wichtiges." Gläubige Christen spüren, dass durch die Geburt von Jesus Christus genau die gleiche Aussage ihnen selbst gilt. Sie spüren sich von Gott geliebt, und zwar uneingeschränkt und unbedingt. Damit erhält die persönliche Existenz des Christen ein Siegel aufgeprägt, das ihn gewiss sein lässt, nicht zufällig zu leben. Weil Gott ihn schon geliebt hat, bevor es ihn gab, existiert er mit Sinn und Notwendigkeit. Sein Leben ist ein Geschenk Gottes, und nicht - wie Heidegger meint - "Geworfenheit" oder - wie Kant es formuliert - das Resultat von "einem eigenmächtigen Akt, eine Person in die Welt herüber gebracht zu haben". Die philosophische Frage nach der Rechtfertigung, einem Menschen ungefragt 70 oder 80 Lebensjahre aufzunötigen, beantwortet die christliche Theologie, die jedes neue Leben als Geschenk aus Gottes Güte anzusehen lehrt.

Aus Freude Weihnachten feiern

Diese Sichtweise lässt den Christen über Menschen lächeln, die sich in Beruf, Gesellschaft und Medien ständig und fast zwanghaft selbst darzustellen bemühen. Das sind ganz unnötige Versuche, der eigenen Existenz den Anschein von Bedeutsamkeit zu geben. Denn Christen wissen: Ihr Glaube verwandelt Zufall in Notwendigkeit. Diese mit der Geburt von Jesus Christus geschenkte Gewissheit ist ihnen wahrhaft ein Grund zu innerer Freude. Und diese Freude sollte im Fest der Geburt von Jesus Christus an Weihnachten ihren begeisternden Ausdruck finden, auch in [6] Geschenken und allerlei Festvorbereitungen, gewiss aber auch in den stillen Formen des Gedenkens, Betens, Dankens - und in den strahlenden Augen glücklicher Kinder.


LINKS:
[1] Essay Gründonnerstag: www.publicationes.de/wissen/christliche-oekumene/94-gruendonnerstag.html - zurück zu [1] -
[2] Essay Karfreitag: www.publicationes.de/wissen/christliche-oekumene/95-karfreitag.html - zurück zu [2] -
[3] Essay Sonnenaufgang an Ostersonntag: www.publicationes.de/wissen/christliche-oekumene/88-ostermorgen.html - zurück zu [3] -
[4] Essay Himmelfahrt: www.publicationes.de/wissen/christliche-oekumene/103-himmelfahrt.html - zurück zu [4] -
[5] Essay Pfingsten: www.publicationes.de/wissen/christliche-oekumene/104-pfingsten.html - zurück zu [5] -
[6] Essay Schenken - z.B. zu Weihnachten: www.publicationes.de/gesellschaft/familie-a-partnerschaft/106-schenken.html -


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